Dienstag, 23. Oktober 2007

Parlez-vous francais?

Inspiriert durch einen Artikel zum Thema Luftsicherung in Europa in der aktuellen Ausgabe von Brand Eins ist mir eine kleine Begebenheit mit einem Franzosen wieder eingefallen.

In dem besagten Artikel wird u.a. bemerkt, dass sich französische Piloten mit der Flugsicherung in Frankreich ganz selbstverständlich ausschließlich auf Französisch unterhalten.

In den vergangenen Jahren hatte ich immer mal wieder berufsbedingt französische Gesprächspartner. Wenngleich die Themen so unterschiedlich wie die Gesprächspartner waren, so kennzeichnet ein Umstand die Gemeinsamkeit der Konversationen: Ohne französische Sprachkenntnisse geht fast nichts.

Da mein Französisch nicht wirklich gut ist, versuche ich es mit einer für beide Gesprächsteilnehmer neutralen Weltsprache, nämlich Englisch. Nachdem ich festgestellt habe, dass Englisch absolut nicht geht, habe ich stets auch Französisch und Deutsch angeboten. Fazit: Englisch geht bei Franzosen faktisch gar nicht. Es sei denn, man diskutiert eine halbe Stunde darüber. Deutsch teilt das Schicksal von Englisch, wohl sind die subjektiv empfundenen Gründe unterschiedlich.

Englisch spricht der Franzose nicht, weil der Nationalstolz die französische Sprache als Weltsprache mit Englisch auf eine Stufe stellt. Das macht zwar nur der Kontinentalfranzose, aber egal. Mit der deutschen Sprache ist das schon ein wenig anders: Hier spielt zwar auch der Nationalstolz eine gewisse Rolle, im Gegensatz zum Englisch ist aber hier eher die historisch gewachsene Abneigung der Franzosen gegen die Deutschen ausschlaggebend.

Per Saldo gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Franzosen meistens sehr schwierig. Mir bleibt offenbar nichts weiter übrig, als meine Französischkenntnisse aufzufrischen ;-)

Unabhängig davon, und das schreibe ich jetzt nicht aus niederen Beweggründen oder gar Häme, sollten sich die Franzosen einmal überlegen, ob die Zurschaustellung einer offensichtlich starken nationalen Identitätsbildung über die eigene Sprache wirklich vorteilhaft ist. Sicher, Französisch wird auch außerhalb von Frankreich gesprochen. Aber erfüllt das Aufzählen von einem Dutzend Nord- und Westafrikanischer Staaten sowie einigen (immer noch) besetzten Inseln im Indischen und Pazifischen Ozean, neben dem von Frankreich selbst sowie dem Osten von Kanada, wirklich den Anspruch einer Weltsprache zu dokumentieren? Die Spanisch sprechenden Menschen könnten streng genommen mit dem gleichen Anspruch antreten und sich hinsichtlich einer zweiten Weltsprache entspannt zurücklehnen. Das habe ich aber noch bei keinem Spanier erlebt.

Ach so: Wenn ich dann meine französischen Sprachkenntnisse aufgefrischt habe, werde ich trotzdem nicht viel mehr verstehen, da der Franzose dann korrekt zum Nuscheln übergeht ;-)

Labels:

Montag, 23. April 2007

Der Plural neu entdeckt

Kommen wir heute zur Feier des Tages mal wieder auf das schöne Thema "Neue deutsche Rechtschreibung" zurück. Insbesondere soll es diesmal um die Pluralisierung mittels "s" gehen, die meines Erachtens stark im Kommen ist.

Vor der Imbissbude
Bratkartoffel - Bratskartoffeln
Bratwurst - Bratswürste


Im Auto
Blinker - Blinkers
Gurtstraffer - Gurtsstraffer


Im Alltag
Community - Communitys
öfter - öfters
Party - Partys


Streng genommen sind viele der oben aufgeführten Beispiele, speziell die zusammengesetzten Substantive, aber gar nicht falsch - so heißt es ja schließlich auch "Sicherheitsgurt" und nicht "Sicherheitgurt", auch wenn es nur eine Sicherheit gibt. Man könnte nämlich argumentieren, dass es sich bei dem vorangestellten Wort um ein Bestimmungswort für ein Hauptwort handelt. Daher könnte man auch den Genitiv als Schuldigen bestimmen: Im Fall der Bratskartoffeln handelt es sich um den genetivus obiectivus, also den Genitiv des Objektes oder aber den genetivus possesivus, also den Besitzverhältnisse ausdrückenden Genetiv ;-)

Labels:

Dienstag, 13. März 2007

Zeitvertreib

So langsam aber sicher mutiere ich zum "Mädchen für alles" - zumindest im übertragenen Sinne. Da klingelt heute gleich mehrfach das Telefon und Kollegen fragen, wie man herausfinden kann, wie viele Kartons in einen Twenty feet equavalent Unit (TEU) bzw. einen 20'-Container passen. Nach dem vierten Anruf, die der Stimme entnommene Ratlosigkeit schien sehr groß zu sein, habe ich dann einmal im Lager nachgefragt, ob das wirklich ernst gemein war.

Tja, was soll ich sagen, die Lage war sehr ernst: Es ist offensichtlich niemand in der Lage gewesen, das Rätsel zu lösen. Das wiederum hat mich schnurstracks zu der Frage geführt, wie es denn in der Vergangenheit lief, zumal wir nicht zum ersten Mal Waren im Container verschickt haben. Die Antwort war verblüffend: "Wir haben einfach probiert und bislang hat es immer gepasst."

Voller Fassungslosigkeit erinnerte ich mich an eine menschliche Eigenschaft namens Mitleid, die im emotionalen Spektrum seiner Majestät König Autistiko II. faktisch nicht existent ist, und sagte Hilfe zu.

Zunächst einmal gab ich den Kollegen ein mathematisches Basic in Form einer Formel zur Berechnung des Rauminhalts: Man dividiere das Volumen der TEU durch das Volumen der Kartons. Das Volumen berechnet man mittels Höhe×Breite×Tiefe. Selbstverständlich wollen wir darauf achten, dass wir mit der gleichen Maßeinheit rechnen und nicht Kubikmeter durch Kubikzentimeter dividieren ;-)

Ich gab allerdings gleich zu Beginn der Lehrstunde zu bedenken, dass man zwangsläufig davon ausgehen kann, dass man tatsächlich die ermittelte Anzahl an Kartons auch in den Container bekommt, da dies voraussetzt, dass die Abmessungen der Kartons tatsächlich so sind, das wirklich jeder Platz im Container genutzt werden kann.

Das bewahrte mich allerdings nicht vor einem weiteren Gespräch zwei Stunden später: "So Meister, der Container ist voll, aber wir haben nicht alle Kartons hineinbekommen!". Ich fürchte, das war absehbar, oder ;-)

Um das Problem zu lösen habe ich also in Excel eine vierstufige numerische Integration entwickelt, die die optimale Packungstechnik analysiert. Das ist zwar nicht meine Aufgabe, aber es scheint, einschließlich der Profis aus der Logistik, niemanden zu geben, der das hätte machen können. Und so bin ich zu einer Gelegenheit gekommen, meine Mathematik-Kenntnisse aufgefrischt :-)

Labels:

Donnerstag, 28. Dezember 2006

Brutto-Netto-Umrechner

Da die Nachfrage nach einem Umrechner von Brutto auf Netto und Netto auf Brutto recht groß zu sein scheint, habe ich eine kleine Microsoft Excel-Tabelle erstellt, die auch verschiedene Mehrwertsteuersätze berücksichtigt:


In den Kommentaren zum Post Brutto und Netto hatte ich die Excel-Formeln noch einmal detailliert erläutert.

So, ich hoffe ich konnte alle Unklarheiten beseitigen :-)

Labels:

Montag, 16. Oktober 2006

Mehrwertsteuererhöhung

Wie schon häufiger mal erwähnt, ist das Thema Mehrwertsteuer bei seiner Majestät König Autistiko II. sehr beliebt. Das könnte sicherlich auch daran liegen, dass er den Unterschied zwischen Brutto und Netto immer noch nicht verstanden hat. Das wiederum ist eigentlich sehr traurig, da er als Kaufmann immerhin schon einige Jahrzehnte Zeit hatte.

Unter dem Strich macht das aber gar nichts, da er mit seinen Verständnisproblemen durchaus nicht allein ist. Ganz spontan fällt mir dazu ein, dass auch Frau Ekel eine besondere Beziehung zur Mehrwertsteuer und insbesondere deren Teilbereiche Umsatzsteuer und Vorsteuer hat. Nur mal so zur Info: In einem ERP-System wird ein Steuerkennzeichen für eine bestimmte Steuerart angelegt, um die mit diesem gebuchten Umsätze elegant zu verproben. Da muss man nicht für jedes Steuerkennzeichen gleich auch ein eigenes Sachkonto anlegen. Wirklich, ist kein Joke! Man kann sich die Gespräche dann in etwa so vorstellen, wie sie der Kollege vom NewEnergyBlog geschildert hat ...

Na ja, was soll's - kann ja mal passieren. Aus diesem Grund freue ich mich ganz besonders auf die zum 01.01.2007 bevorstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 19%. Dieses Mal wird es aber sicherlich noch viel spannender, denn uns gehen langsam aber sicher die Kontonummern in unserem ERP-System aus - zumindestens unter der Voraussetzung, dass das neue Konto für Buchungen mit 19% Mehrwertsteuer in der Nähe des vorherigen Kontos liegt.

Herr, lass Hirn regnen!

Obwohl ich der tiefen Überzeugung bin, dass mein Stoßgebet ungehört bleibt, hoffe ich jedoch, dass mir die unsäglichen Diskussionen diesmal erspart bleiben.

Labels:

Dienstag, 4. Juli 2006

Unerwartete Analogien

Nein, es ist nicht ungewöhnlich, wenn ein Dienstleister, dessen Rechnungen nicht bezahlt werden, nicht sonderlich motiviert ist, weitere Leistungen zu erbringen. Es ist völlig unerheblich, woran es liegt. Sicher, lächerlich wird die Sache spätestens dann, wenn es schlicht um das Ausstellen einer Auftragsbestätigung geht, was der Lieferant nicht möchte - zumindestens mit einem bestimmten Text.

Aber deshalb gleich gar nichts zu bezahlen und sich wie eine Gruppe Dreijähriger aus dem Kindergarten aufzuführen, ist ein wenig überzogen.

Liebe Majestät König Autistiko II.: Nein, auch ich kann die Welt nicht ändern. Versuchen Sie es doch einfach mal mit Diplomatie oder Pragmatismus. Das bloße Aufstampfen mit den Füßen auf dem Boden nutzt allenfalls den Teppich ab. Ich erklären Ihnen aber gern noch einmal den Zusammenhang:
  1. Dienstleister/Lieferant schickt Angebot

  2. Auftraggeber/Kunde schickt Bestellung

  3. Dienstleister/Lieferant schickt Auftragsbestätigung

  4. Dienstleister/Lieferant erbringt Leistung/liefert Waren

  5. Dienstleister/Lieferant schickt Leistungsnachweis/Lieferschein

  6. Dienstleister/Lieferant schickt Rechnung

  7. Auftraggeber/Kunde bezahlt Rechnung

  8. Dienstleister/Lieferant arbeitet/liefert weiter


Wenn Sie die Kette unterbrechen, geht es nicht weiter. Das würden Sie doch genauso machen, oder?

Vielen Dank für das Gespräch. Und, ja, ich weiß, ich bin schuld. Schon klar ...

Labels: , ,

Mittwoch, 7. Juni 2006

Motivation

Zu einem guten Führungsstil gehört die eindeutig auch Motivation der Mitarbeiter, denen man fachlich und/oder disziplinarisch vorgesetzt ist. Das man derartige Führungstechniken bei uns nicht findet, ist selbstredend. Im Grunde geht es den Kollegen aus der Führungsmannschaft eigentlich nur darum, bewusst oder unbewusst die Hackordnung aufrecht zu erhalten oder diese zum Ablassen von Frust zu nutzen.

Man muss sich daher schon selbst um die Motivation der eigenen Person bemühen. Mancher vertraut dem Freund und Helfer Sedativum, andere wiederum suchen sich ein perverses Hobby oder ertragen das Martyrium einfach. Meine Motivation besteht zu einem großen Teil aus dem Lesen von Stellenanzeigen in der Tageszeitung. Jobbörsen im Internet habe ich schon mehrfach, auch über längere Zeiträume, probiert. Der Erfolg ist allerdings bescheiden bis nicht messbar. Ich glaube daher, dass die gute alte Tageszeitung oder Vitamin B immer noch die ergiebigsten Quellen für Jobangebote sind. Ein Channel, dessen Potential ich als durchaus bedeutsam einstufe, sind die so genannten Social Networks wie OpenBC, um nur mal einen Anbieter zu nennen.

Da ich, wie man sich vermutlich gut vorstellen kann, schon seit rund zwei Jahren nach einem neuen Job. In diesem Zeitraum habe ich drei Bewerbungen auf Positionen, die mich wirklich ernsthaft angesprochen haben, verschickt. Ich halte grundsätzlich nichts von Notbewerbungen á la "Hauptsache weg hier". Ich denke da tut man sich keinen Gefallen auf Dauer.

Bei knapp fünf Millionen Arbeitslosen in Deutschland ist eine Bewerbung mittlerweile zu einer Art Lotteriespiel geworden. Selbst wenn nur die Hälfte aller arbeitslos gemeldeten Menschen ernsthaft einen Job sucht, bleibt die Suche immer noch extrem schwierig. Das gilt natürlich nur für die Menschen, die selbst kein herausragendes Alleinstellungsmerkmal auf beruflicher Ebene bieten können.

Um meine Chancen, einen guten Job zu ergattern, optimal zu nutzen, habe ich mich schon vor Monaten mit Freunden, die mehr oder weniger Personaler sind, über dieses Thema unterhalten. Mit Erschrecken und doch zugleich Gewissheit habe ich zur Kenntnis genommen, dass bei vielen Unternehmen im Grunde gar keine Mitarbeiter mehr sitzen, die sich mit dem Thema Personalentwicklung ernsthaft auseinandersetzen können. Oftmals stehen auch die Mitarbeiter in der Personalabteilung unter der Pseudo-Effizienz-Knute des Mittelständlers. Na ja, die Welt werde auch ich nicht ändern können. Man kann sich aber darauf einstellen.
Da die mir gegebenen Tipps eine, subjektiv empfunden, erstaunliche Erfolgsquote beschert haben, möchte ich diese an dieser Stelle weitergeben:

Für mich ist es sehr wichtig, mich mit dem Unternehmen (und seinen Produkten) identifizieren zu können.
Ich verstehe mich nicht als Scheckempfänger zum Monatsultimo. Dazu verbringt ich zu viel Zeit Tag für Tag, als dass Dinge wie Spaß im Job und Zufriedenheit über erreichte berufliche Erfolge vollends unwichtig wären. Diese Betrachtung sollte man an den Anfang der Jobsuche setzen, da es die guten Arbeitgeber tatsächlich noch gibt. Man muss sie nur finden ;-)

Die erste und zugleich größte Hürde, die man als Bewerber nehmen muss, ist zu vermeiden von den Bewerbungsmappensortierern aussortiert zu werden.
Mit protzigen Mappen wird das definitiv nichts. Mehr als ein recycelter Plastikordner aus der Berufsschule darf es dann aber doch sein. Ich habe mir für knapp zwei Euro bei Staples eine elegant wirkende Pappmappe, speziell für Bewerbungen, gekauft.

Das Anschreiben ist der Schlüssel, mit dem man die erste Hürde nehmen kann. Zugleich nutze ich das Anschreiben um zu testen, ob das Unternehmen mit seiner Philosophie auch zu mir passt.
Ich habe mein Anschreiben bereits zu Beginn meiner aktuellen Bewerbungskampagne komplett neu verfasst und dabei versucht, ein Stück von meiner Lebenseinstellung unterzubringen. Das soll nicht heißen, dass man, nur weil man ein offener Typ ist, Phrasen wie "voll krasses Jobangebot" oder "kannst aufhören mit suchen: Ich bin der Gesuchte" verwenden sollte. Zwischen extrem konservativ und rotzfrech gibt es durchaus noch ein paar Abstufungen. Wichtig dabei ist jedoch zu beachten, dass man die Zeit des Personalers nicht verschwenden sollte. Wenn man sich auf einen Job als Nachtwächter bewirbt, ist es überflüssig zu erwähnen, das man auch Alarmanlagen entwickeln kann. Das kann der Personaler auch dem Lebenslauf entnehmen. Ergo sollte man das Anschreiben kurz und knackig halten und nur mit den Qualifikationen/Interessen befüllen, die tatsächlich für die ausgeschriebene Position relevant sind.

Bekommt man die Bewerbung relativ flott zurück, würde ich in jedem Fall nachfragen.
Wer freundlich fragt bekommt fast immer eine (ehrliche) Antwort. Sofern man nicht an Selbstüberschätzung bei der Auswahl der Position, auf die man sich bewirbt, gelitten hat, könnte u.U. der eingehend erwähnte Personality-Check gegriffen haben. Ich wäre dann froh meine Unterlagen zurückbekommen zu haben, da das vermutlich auf Dauer nicht wirklich zu einer harmonischen Beziehung geworden wäre ;-)


Einen neuen Job finden ist also mehr als nur eine Sache, die man nebenbei erledigen kann. Eine Sammlung wirklich ausgezeichneter Artikel ist bei Jova-Nova.com zu finden. Es bedarf zwar ein wenig Zeit, um die Intension der verschiedenen Gedanken zu erfassen, aber die ist meines Erachtens gut investiert.

Übrigens: Am Sonnabend war in der hiesigen Tageszeitung wieder mal ein für mich erstklassiges Stellenangebot. Es geht also wieder aufwärts :-)

PS: Bitte wieder fest die Daumen drücken.

PPS: Dem Kollegen Abteilungsleiter wünsche ich auch alles erdenkliche Gute und vor allem Erfolg bei der Jobsuche. Im Moment scheint die Jobsuche jedoch ein wenig zu stocken ;-)

Labels: ,

Sonntag, 7. Mai 2006

Der Mehrwertsteuerblog

Ich muss meine Aussage, dass ich einen Büroblog betreibe, revidieren: Irgendwie häufen sich seit einigen Wochen Anfragen rund um die Themen "Brutto und Netto" sowie "Mehrwertsteuer" beängstigend. Vielleicht sollte ich das Weblog in "Mehrwertsteuerblog" umbenennen ;-)

Ich glaube aber, dass der Beitrag "Brutto und Netto" für diese seltsame Entwicklung verantwortlich ist. Oh je, was habe ich da nur angerichtet ...

Nur für die Akte: Ich bin dafür, die Mehrwertsteuer abzuschaffen. Das erspart zu mindestens mir solche überflüssigen Diskussionen.

Übrigens: Das in besagtem Artikel beschriebene Fahrzeug haben wir nun doch nicht verkauft. Und dabei hätte die Sache noch weit aus schlimmer ausgehen können, wenn die für den 01.01.2007 anstehende Erhöhung der Mehrwertsteuer von 16% auf 19% schon erfolgt wäre.

Labels:

Freitag, 24. März 2006

Brutto und Netto

Der Unterschied zwischen dem Netto- und Bruttobetrag einer Rechnung sowie die dahinterstehende Intension wird Schülern schon auf der Höheren Handelsschule oder kaufmännischen Auszubildenden bereits im ersten Lehrjahr beigebracht. Ich will das aber an dieser Stelle noch einmal kurz erläutern:

Unternehmen sind i.d.R. zum steuerlichen Abzug der Vorsteuer, wie die Mehrwertsteuer auf Eingangsrechnungen auch bezeichnet wird, berechtigt. Daher wird der Rechnungsbetrag in einen Waren- und/oder Dienstleistungswert = Nettobetrag und einen Gesamtbetrag (Nettobetrag zuzüglich Mehrwertsteuer) = Bruttobetrag unterteilt.

Der Warenempfänger bzw. Empfänger der Dienstleistung darf, sofern er ein Unternehmen ist, die enthaltene Vorsteuer (Mehrwertsteuer) absetzen. D.h. er bekommt sie vom Finanzamt wieder zurück, nachdem er sie im Rahmen des Ausgleiches der Rechnung bezahlt hat. Es ist also ein durchlaufender Posten.

Der Verkäufer bzw. Erbringer der Dienstleistung muss, sofern er ein Unternehmen ist, die berechnete Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer auf Ausgangsrechnungen) an das Finanzamt abführen. Da er die berechnete Umsatzsteuer jedoch im Rahmen des Ausgleichs der Rechnung von seinem Kunden zurückbekommt, handelt es sich auch bei dem Verkäufer um einen durchlaufenden Posten.

Meldet der Verkäufer die berechnete und erhaltene Umsatzsteuer nicht dem Finanzamt, dann erfüllt das den Straftatbestand der Steuerhinterziehung. Wenn der Rechnungsempfänger die berechnete Vorsteuer nicht vom Finanzamt zurückfordert, dann freut sich Vater Staat.

Bei Privatpersonen sieht es jedoch anders aus: Diese sind weder Vorsteuerabzugsberechtigt noch dürfen sie Umsatzsteuer berechnen. Wenn Sie bei eBay Ihre ausgelatschten Schuhe verkaufen, dann ist das immer ohne Mehrwertsteuer. Selbst wenn Sie bei einem Profiseller kaufen und der Ihnen eine Rechnung mit Mehrwertsteuer schickt, dann haben Sie keine Chance, die Mehrwertsteuer, wie Unternehmen, zurückzubekommen. Sorry, aber so läuft die gigantische Umverteilungsmaschine Mehrwertsteuer nun einmal ;-)


Das Prinzip ist stark vereinfacht dargestellt. Ich bin kein Steuerberater und empfehle in jedem Fall die Konsultation eines solchen bei detaillierten Fragen.


Nun zur eigentliche Anekdote: Seine Majestät König Autistiko II. will einen seiner Pkws als Privatperson verkaufen. Er macht das, weil er als Privatperson so der gesetzlichen Gewährleistungsverpflichtung entgeht.

Er beauftragte unseren Brad Pitt mit dem Verkauf, sagte ihm aber nicht, dass er dieses Mal ausnahmsweise als Privatperson auftreten wollte. Der Zusammenprall war also so vorhersehbar wie das Ende der Titanic im Film.

Unser Brad Pitt bemühte sich in den nächsten Tagen um ein gutes Angebot für die Möhre. Ein Auto-Händler war schließlich bereit, ein Angebot abzugeben. Der Betrag war, weil sich ja zwei Unternehmen unterhalten haben, selbstverständlich netto, also ohne Mehrwertsteuer. Die folgende Unterhaltung zwischen seiner Majestät König Autistiko II. und unserem Brad Pitt verlief dann wie folgt:


Brad Pitt: Der Auto-Verkäufer hat 5.000 EUR netto geboten, also 5.800 EUR brutto.


König Autistiko II.: Nein, Herr Pitt, so geht das nicht. Da müssen Sie auch mal nachdenken.


Brad Pitt: Nun, eure Majestät König Autistiko II., das habe ich. Das Angebot liegt gut 500 EUR über dem Händler-Einkaufspreis.


König Autistiko II.: Nein, Herr Pitt, Sie verstehen mich nicht.


Brad Pitt: In der Tat. Erwarten Sie einen höheren Erlös für das Fahrzeug?


König Autistiko II.: Nein, Herr Pitt, ich kann mit Ihnen keine Unterhaltung führen. Geben Sie mir mal die Nummer des Auto-Verkäufers - und bleiben Sie hier!


Brad Pitt: (Gib ihm die Nummer) ... Bitteschön.


König Autistiko II.: (Ruft den Auto-Verkäufer an) ... Ähm, ja, König Autistiko II. hier. Ich rufe wegen dem $Automarke an. (selbstgefälliges Grinsen während der nächsten 30 Sekunden).


Auto-Verkäufer: Hallo, hallo, sind Sie noch dran?


König Autistiko II.: Ja, natürlich!


Auto-Verkäufer: OK - ich dachte schon, die Verbindung wäre abgebrochen, weil ich nichts mehr gehört habe.


König Autistiko II.: Ja, ja ... (selbstgefälliges Grinsen während der nächsten 30 Sekunden) ... nun sagen Sie mir doch mal einen vernüftigen Preis.


Auto-Verkäufer: Gerne, ich sagte Herrn Pitt bereits, dass 5.000 EUR bereits über 500 EUR über meinem Händler-Einkaufspreis ist. Ich erachte das Angebot als fair. Mehr kann ich Ihnen dafür nicht geben.


König Autistiko II.: Ähm ... ja, nein. Das verstehe ich nicht. Sie sagten doch vorher 5.800 EUR.


Auto-Verkäufer: Ja, brutto.


König Autistiko II.: Ähm ... ja, nein, ich meine was denn nun? 5.000 EUR oder 5.800 EUR?


Auto-Verkäufer: Ja, wie ich schon sagte: 5.000 EUR netto bzw. 5.800 EUR einschließlich Mehrwertsteuer. Ich habe mein Angebot gegenüber meiner Kalkulation zum Einkaufspreis erhöht, weil ich mir ja die Mehrwertsteuer wieder ziehen kann.


König Autistiko II.: OK, das Angebot nehme ich an - 5.800 EUR.


Auto-Verkäufer: Ja, vielen Dank.


König Autistiko II.: (legt prompt den Hörer auf) ... Also mein lieber Herr Pitt: So wird das gemacht! ... (selbstgefälliges Grinsen während der nächsten 30 Sekunden) ... Schreiben Sie ihm eine Rechnung über 5.800 EUR. Zuzüglich Mehrwertsteuer!


Brad Pitt: Entschuldigung, Sie haben aber gerade 5.800 EUR brutto, also einschließlich Mehrwertsteuer vereinbart.


König Autistiko II.: Also Herr Pitt! Ich werde ja wohl noch wissen, was ich vereinbart habe. Schreiben Sie ihm eine Rechnung über 5.800 EUR plus Mehrwertsteuer! So, ich habe keine Zeit mehr ... Achso: Sie müssen die Rechnung in meinem Namen, also nicht im Namen der Firma. Es ist ein Privatwagen.


Brad Pitt: Tja, das geht dann wiederum nur ohne Mehrwertsteuer.


König Autistiko II.: Herr Pitt, nun hören Sie auf, mich zu belehren! Machen Sie das so!


Brad Pitt: (Schüttelt den Kopf, überlegt kurz, ob er was sagen sollte, und geht dann kommentarlos) ...



Das von seiner Majestät König Autistiko II. zur Schau gestellte Maß an Arroganz war wieder einmal derart beeindruckend, dass selbst die Peanuts-Aktion von Hilmar Kopper nicht mehr erwähnenswert erscheint. Ohne sonderlich ausgeprägte psychoanalytische Beobachtungsgabe waren die narzißstischen Charakterzüge mehr als deutlich erkennbar.

Während der nächsten vier Stunden beratschlagten dann drei Kollegen gemeinsam mit dem Steuerberater die Frage, wie nun eigentlich die Rechnung aussehen soll und insbesondere wie man 5.800 EUR als Rechnungsbetrag hinbekommt. Das Ergebnis war ernüchternd, wohl aber vorhersehbar: mehr als 5.000 EUR geht nicht.

Offen blieb die Frage, wer seiner Majestät König Autistiko II. die Nachricht überbringen darf.


Fazit: Den Unterschied zwischen brutto und netto nicht kennen, 800 EUR. Den eigenen Willen durchsetzen wollen, 1.500 EUR. Unterhaltungswert des Story, unbezahlbar.

Labels: