Dienstag, 7. Februar 2006

Verhandlungssache

Heute hatte Frau Bürospaß wegen ihrer Kündigung ein Gespräch mit Herrn Glitschi, seines Zeichens Geschäftsführer ohne Befugnis. Zentrales Thema der Unterhaltung waren die Gründe der Kündigung. Sowohl Herrn Glitschi als auch Frau Ekel, die sich schon früher einmal nach den Gründen bei Frau Bürospaß erkundigt hatte, waren die vorgetragenen Gründe nicht plausibel: Grauenvolles Betriebsklima, mangelnde Kommunikationshygiene in Verbindung mit einer Desorientierung bei den zwischenmenschlichen Beziehungen, fehlende Karrierechancen, schlechte Bezahlung (das Wort Gehaltserhöhung wurde per Dekret 1641 von seiner Majestät König Autistiko II. aus dem Wortschatz gestrichen) sowie fehlende Bereitschaft zur Organisation von Arbeitsabläufen.

Meines Erachtens zeigt die Argumentation recht deutlich auf, wenngleich ich schon denke, dass der aus dem Ausscheiden von Frau Bürospaß resultierende Personaldruck tatsächlich die treibende Motivation war, das grundlegende Defizite bei der Wahrnehmung der Realität bei einer ganzen Reihe von Mitarbeitern aus der Führungsmannschaft vorhanden sind. Vielleicht liegt das daran, dass die eine oder andere Führungskraft entweder von Verbalattacken seiner Majestät König Autistiko II. verschont geblieben ist oder schlicht die Unterwürfigkeit die eigene Selbstachtung besiegt hat. Gegenseitigen Respekt und Toleranz gegenüber der Meinung, der Arbeit und dem Aussehen anderer Kollegen kann man sicherlich vielfältig definieren. Vorschriften zur Bekleidung, die ausschließlich aus der selbst empfundenen sexuellen Anzüglichkeit heraus resultieren, sind jedoch ganz klare No-No’s.

Ein anderer Aspekt, den man seitens seiner Majestät König Autistiko II., der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der geistige Initiator der ganzen Aktion war, seit Jahrzehnten konsequent ignoriert, ist das Thema Arbeitsorganisation. Es spielt schlicht keine Rolle, was die Konsequenzen einer Entscheidung in der Praxis bedeuten. Unternehmerische Weitsicht, welche seine Majestät König Autistiko II. ausschließlich sich selbst attestiert, besteht bei uns daraus, dass alles so bleibt wie es ist. Oder, getreu der Devise: Never change a stupid workflow. Allein die ausgeprägte Kontrollmacke seiner Majestät König Autistiko II., die, objektiv betrachtet, ein vielfaches dessen, was sie verhindern soll, kostet, ist eine absolutes Paradebeispiel: Es werden vier Mitarbeiter damit beauftragt, einen Vorgang zu prüfen, drei davon ist der Kontext völlig unbekannt und allen vier fehlt jegliche Vorgabe zum Regelumfang bzw. den zu startenden Aktionen im Fall, dass die Prüfung zu einem negatives Ergebnis führt. Per Saldo läuft die gesamte Belegschaft Tag ein Tag aus wie Falschgeld herum und gackert wie eine Legebatterie im Hühnerhof, sobald seine Majestät König Autistiko II. auftaucht. Raus kommt am Ende des Tages grundsätzlich nur warme Luft, ergänzt durch gegenseitiges Lecken von Wunden sowie allgemeiner Selbstbeweihräucherung.

Abschließend wäre vielleicht noch das Thema Personalentwicklung zu betrachten, wenngleich als einzig professionelle Maßnahme in diesem Zusammenhang die gelegentliche Erwähnung des Begriffes Personalentwicklung aufzuführen wäre. Typischerweise sollte in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen eine Art Mitarbeiterbesprechung stattfinden, in der u.a. auch die Leistungen einzelner Kollegen bewertet werden. Es macht ja schließlich wenig Sinn, das Arbeitspensum von Monat zu Monat zu erhöhen, obwohl sicherlich die Hälfte dessen Unsinn ist, und zu erwarten, dass die Motivation wenigstens gleich bleibend ist, ohne jedoch die Mehrleistung zu honorieren.

Wie schon festgestellt, ist das Wort Gehaltserhöhung im Sprachschatz seiner Majestät König Autistiko II. nicht existent. In so fern verwundert es mich sehr, dass es im Fall von Kündigungen auf einmal doch geht und seine Majestät König Autistiko II. seine ziemlich beschissene Verhandlungsposition so offensinchtlich zur Schau stellt. Der Leidensdruck seiner Majestät König Autistiko II. scheint sehr hoch zu sein. Ob es vielleicht daran liegt, das ihm eigentlich schon bewusst ist, dass das Finden eines Ersatzes unter den beschriebenen Umständen und unter Berücksichtigung der Tatsache, dass ihm sein Ruf als Choleriker weit vorauseilt, sehr schwer ist? Sollte eine Spur von Selbstreflektion bei seiner Majestät König Autistiko II. erkennbar sein? Nein, so viel Glück haben wir nun auch nicht ...

Ich wundere mich nur immer, warum insbesondere die Führungsetage diese Form der Dokumentation der Abhängigkeit nicht zur Kenntnis nehmen will. Ich kenne durchaus auch andere Zeiten, in denen die vorherige Generation der Führungskräfte geschlossen auftrat und seine Majestät König Autistiko II. einfach hat abtropfen lassen.

Ich hoffe sehr, dass Frau Bürospaß erkennt, dass ihr kein Gehalt sondern Schmerzensgeld gezahlt wird und, um Gottes Willen, nicht umfällt.

Sobald seine Majestät König Autistiko II. die sprichwörtliche Katze im Sack hat, ist man wieder der Insubordination und Ignoranz ausgeliefert. Der Übergang zum alltäglichen Wahnsinn geht schneller als man denkt.

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1 Kommentare:

Am/um Montag, Februar 13, 2006 11:55:00 nachm. , Anonymous Einberlinerter meinte...

Die Engländer nennen das Gehalt auch gerne "Compensation". Manche Firmen müssen halt mehr kompensieren...

 

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