Mittwoch, 1. Februar 2006

Der Hindu-Tempel

Wenn ich von Freunden nach meinem Job und wie es in diesem läuft gefragt werde, dann stehe ich immer vor dem Problem, dass meine Ausführungen auf ungläubiges Staunen und Kopfschütteln stoßen. Viele Dinge kann man einfach nicht wirklich beschreiben, weil sie einfach zu absurd sind.

Ich habe mir daher überlegt, wie man das anschaulich beschreiben kann. Das Modell vom Hindu-Tempel finde ich dabei, auch weil der Hinduismus nicht nur als Religion verstanden werden kann, besonders anschaulich und, hoffentlich, verständlich:

Zunächst jedoch muss ich einen kleinen Exkurs in die Religion der Hindus machen. Im Hinduismus wird die Rolle des einzelnen Individuums durch die Zugehörigkeit zu einer Kaste bestimmt. Bereits mit der Geburt eines Menschen werden dessen Aufgaben und Pflichten sowie die Stellung in der Gesellschaft mit der Einordnung in eine der Varnas klar definiert. Die Kasten regeln dabei auch die beruflichen Möglichkeiten des einzelnen Menschen. Angeführt wird das Kastenwesen von den Brahmanen, einer Priesterkaste. In der untersten Kaste sind die Dalits, die Unberührbaren eingeordnet. Der Nicht-Hindu steht unter der untersten Kaste.

So, nun zurück zum Thema: Man muss sich das Firmengebäude als eine Art Hindu-Tempel vorstellen. Ganz oben residiert seine Majestät König Autistiko II. als (oberstes) Mitglied der Kaste der Brahmanen.

Je weiter man nach unten geht, desto niedriger wird auch das Ansehen und die Wertschätzung der Arbeitsleistung der Kollegen durch seine Majestät König Autistiko II.

Die Abteilungen im Erdgeschoß haben es dabei am schlimmsten getroffen: Sie sind die Nicht-Hindus im Hindu-Tempel. Der, bei Licht betrachtet, einzige Grund, warum die Nicht-Hindu-Kollegen im Erdgeschoß sitzen, ist die Tatsache, dass es unter dem Keller (leider) keine weitere Etage gibt. Das hört sich zwar komisch an, ist aber so.

In der Praxis kann man dann die gesellschaftliche und soziologische Ausprägung des Hinduismus in voller Entfaltung beobachten. Spätestens an diesem Punkt wäre ich gern ein Inder: In Indien wurde die Abschaffung des Kastenwesens bereits vor einigen Jahrzehnten in der Verfassung verankert.

Einen Trost habe ich jedoch: Das Kamasutra folgt in vielen Teilen der Lebensauffassung des Hinduismus.

Und, nein, ich bin kein Ferkel und ziehe mich auch nicht ausschließlich an Schweinkram auf. ICH BIN NUR VERZWEIFELT! Da klammert man sich an jeden Strohhalm ;-)

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1 Kommentare:

Am/um Mittwoch, Februar 01, 2006 9:10:00 nachm. , Anonymous Ronald Werner meinte...

Die Hierarchiebenen kommen mir bekannnt vor. In meiner Bude wurde immer von "denen da oben" gesprochen. Hat sich gelegt seit wir alle auf einer Ebene arbeiten :-)

 

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