Freitag, 24. Februar 2006

Organisatorische Geisterfahrt IV

oder: Das Leben mit paradoxen Axiomen

Dass wir ein grundsätzliches Problem mit dem Thema Ablage haben, erläuterte ich bereits. In Verbindung mit dem dogmatischem Papiersparen, von dessen Notwendigkeit seine Majestät König Autistiko II. derart beseelt ist, dass vor jeglicher Diskussion darüber selbst die Darwinsche Evolutionstheorie in Frage gestellt wird, ergibt sich hier ein Paradoxon von ungeahntem Ausmaß. Es kommt hinsichtlich der Komplexität dem Gedanken des philosophischen Allmächtigkeitsparadoxon recht nahe: Kann man alles in Papierform archivieren, wenn man kein Papier benutzen möchte?

An der Lösung des Problems haben sich schon einige Kollegen erfolglos versucht. Die angewendeten Taktiken reichen dabei vom illegalen Bestellen von Papiervorräten, über zentralisierte und logisch redundant organisierte Papierablagen, dem einfachen Abwarten und nichts machen, bis hin zur Entwicklung eines Konzepts für die digitale Archivierung. Im Grunde war alles, was je versucht wurde, in den Augen seiner Majestät König Autistiko II. falsch. Mittlerweile gehört das Thema Ablage bzw. Archivierung zum Res non grata.

Obwohl ich hin und wieder schon geneigt war, Vorschläge wie doppelseitiges Bedrucken (Vorderseite eines Briefes für Kunde X und die Rückseite für Kunde Y - es bedarf halt nur einem organisatorischen Hinweis auf dem Schreiben selbst sowie einer zusätzlichen Briefmarke) oder Nutzung der Blattkanten (OK, das geht natürlich nur, wenn mindestens 500 Blatt Papier gerade übereinander liegen) zu machen, habe ich mir das bislang verkniffen. Und das obwohl ich die Ideen, sagen wir mal, drollig finde ;-)

Besonders itzig sind dann gelegentlich bei seiner Majestät König Autistiko II. zu beobachtende Aktionen: Seine Majestät König Autistiko II. hat einen Adjutanten, genauer gesagt eine Adjutantin ... eigentlich ist es eher als schmückende Deko "gedacht". Und dafür tut Elsbeth einiges: Selbst die chirurgisch unterstützte Optimierung primär sichtbarer Hautpartien stand schon auf dem Zettel der Eitelkeiten.

OK, zurück zum Thema: Elsbeth ist, wie ich schon erläuterte, nur der Quote wegen da. Jeder Monarch hat einen Adjutanten. Da will seine Majestät König Autistiko II. natürlich nicht als Outsider dastehen. Elsbeth hat schon recht früh erkannt, dass man sich tunlichst unauffällig zu verhalten hat. Viele Kollegen setzen dabei "unauffällig" mit "devot" gleich; Elsbeth hat ihren eigenen Stil: Unbeteiligt tun und Schmunzetten lesen.

Anmerkung: Und ich habe mich immer gefragt, woher die seit Jahrzehnten andauernde, ungebrochene Nachfrage nach den "Dr. Frank"-Romanen rührt.

Das inerte Erscheinen hat Elsbeth im Laufe der Jahre zur Perfektion entwickelt. Zuweilen geht diese Dickfälligkeit so weit, dass wiederholt vorgetragene Bitten nach Terminvereinbarungen mit seiner Majestät König Autistiko II. mit den Worten "Legen Sie sich doch einfach vor seine Tür" beantwortet werden. Prima, warum bin ich nicht gleich darauf gekommen. Eine menschliche Pyramide wollte ich schon immer mal probieren ;-)

Hin und wieder wird Elsbeth von seiner Majestät König Autistiko II. mit der Führung von Akten betraut. Zur Sicherheit lässt seine Majestät König Autistiko II. aber mindestens zwei weitere, redundante Kopien der Aktensätze in anderen Abteilungen angelegt, und das obwohl Papier augenscheinlich so teuer ist, wie die Tinte für den Tintenstrahldrucker ... da kommt selbst Chanel No. 5 beim Liter-Preis nicht mit.

Ob es wohl daran liegt, das Elsbeth's Affinität zum Thema Arbeit im Allgemeinen und Ordnung im Besonderen ähnlich der des Teufels zum Weihwasser ist? Das Wiederfinden (von Dingen) ist bekanntlich keine sonderlich ausgeprägte Eigenschaft von Elsbeth ...

Anyway ... witzig sind die Begegnungen mit Elsbeth immer. Oder wie es Forrest Gump so schön gesagt hat: "Life is like a box of chocolates. You never know you’re gonna get." (englisch: "Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.")

Ich bin aber froh, dass das Papiersparen bei seiner Majestät König Autistiko II. keinesfalls pathologisch ausgeprägt ist. Wenn er mal eine richtige Sause mit Papier machen will, dann macht er das auch. Noch eine Macke halte ich kaum mehr aus ;-)


Mehr aus der Serie "Organisatorische Geisterfahrt" kann man hier finden:
Teil 1: Tägliche Tätigkeitsnachweise
Teil 2: Kein Papier vorhanden
Teil 3: It's not my Job

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1 Kommentare:

Am/um Samstag, Februar 25, 2006 12:01:00 vorm. , Blogger limone meinte...

"Legen Sie sich doch einfach vor seine Tür"

na humor hat sie. :-)

 

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