Donnerstag, 19. Oktober 2006

Egalität und andere Leitsätze

"Liberté, Egalité, Fraternité" (französisch: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit), der Leitspruch der dritten französischen Republik von 1871, der fälschlicherweise recht häufig mit der französischen Revolution von 1789 in Verbindung gebracht wird, gilt auch im Königreich seiner Majestät König Autistiko II. - zumindestens fast bzw. leicht abgewandelt.

In unserer Company lautet die Devise "Lieber nicht, Egalität, Frag mich nicht". In Praxi läuft dass dann in etwa so: Lass uns lieber nicht über etwas sprechen oder nachdenken, es ist sowieso alles egal und frage mich grundsätzlich nicht.

Viele Kollegen haben schlicht weg Angst über potentielle Probleme in ihrem Arbeitsbereich zu sprechen, da man grundsätzlich Gefahr läuft, von seiner Majestät König Autistiko II. abgekanzelt zu werden. Ich verweise in diesem Zusammenhang auf die prophylaktisch geklärte Schuldfrage.

Aufgrund der Tatsache, dass faktisch allen Managern respektive Führungskräften der eigene Arsch näher ist als Wohlbefinden der disziplinarisch unterstellten Mitarbeiter und somit der Erfolg der Abteilung, werden grundsätzlich immer die Indianer zu seiner Majestät König Autistiko II. geschickt. Und wenn es dann doch mal einen Häuptling trifft, dann bestreitet man einfach davon Kenntnis gehabt zu haben. Die Existenz von Besprechungsprotokollen wird in diesem Zusammenhang fix als Verschwörungstheorie deklariert - man muss im Zweifelsfall in der Hierarchie einfach nur weit genug oben sitzen, um pauschal von einem übermächtigen Glaubwürdigkeitsbonus zu profitieren.

Offiziell als Entscheidung interpretierbare Meinungsäußerungen werden stets vermieden, da einzig seiner Majestät König Autistiko II. aufgrund des nur bei ihm ausreichend hoch vorhandenen Intelligenz-Koeffizienten dazu berufen ist.

Und so fahren wir Tag für Tag auf Meer hinaus, lassen uns einfach vom Wind treiben und erklären einwirkende Naturgewalten als den Zorn seiner Majestät König Autistiko II. alias Gott. Zielgerichtetes Handeln ist ausdrücklich nicht gewünscht. Ich habe daher manchmal den Eindruck, dass die Erhaltung der Handlungsunfähigkeit einzig und allein dazu dient, seiner Majestät König Autistiko II. die Möglichkeit zu bewahren, sich jeden Tag erneut an den gleichen Dingen aufzuziehen. Daher sprechen wir in unserer Company auch nicht von Arbeitsverträgen zwischen seiner Majestät König Autistiko II. und Mitarbeitern, sondern von so genannter Schuldsklaverei.

Ach so, ja, heute ist ein wirklich beschissener Tag. Dafür reicht schon aus, wenn man gleich am Morgen erklären darf, warum es bei rückläufiger Personalstärke einfach nicht zu einer spontanen Vermehrung von Mannstunden kommen will.

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1 Kommentare:

Am/um Donnerstag, Oktober 19, 2006 3:17:00 nachm. , Blogger Pathologe meinte...

Egalität gilt ebenso in anderen Betrieben. Glauben Sie mir.

Beispielsweise gab es hier vor kurzem eine Umbettung von Mitarbeitern, finanztechnisch bedingt. Die Begründungen dazu fehlten, lassen sich aber aus Gerüchten eruieren. Es wurden auch wachsweiche Aussagen getroffen, die aufgrund schriftlicher Nachfrage zu anderslautenden, schriftlichen Aussagen führten.

Interessant wird das Ganze nun werden, da eine schriftliche Aussage bezüglich der Unterbringung bei Kurztrips getroffen wurde. Nun wird nächste Woche unser König Latexiko Verbalo inklusive Hofstaat aufschlagen. Mal sehen, in wie weit die Unterbringungsklausel Bestand haben wird. Beim Fußvolk wurde sie bereits durchgesetzt, vielleicht ist die Information aber noch nicht in den höheren Gefilden angekommen.

Ach ja, das kopflose Rudern erlauben wir uns auch schon einige Wochen. Unter mit ruhiger Hand durchgeführter Beobachtung. Vielleicht ist es der "never touch a running system"-Effekt, der allerdings schnell in ein "ach herrjeh, da braucht man gar keinen Großkopferten mehr"-Effekt umschlagen kann. Und dazu ist die Obrigkeit leider nicht merkbefreit genug.

 

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