Dienstag, 15. August 2006

Der Zerreisswolf

Als modernes mittelständisches Unternehmen sind wir mit Büromaschinen gut ausgestattet. Das Rund-um-Sorglos-Paket beinhaltet dabei auch einen Zerreißwolf. Nein, das ist kein Schreibfehler und hat auch nichts mit neuer degenerierter Rechtschreibung zu tun. Der Reißwolf ist bei uns tatsächlich ein Zerreißwolf und heißt Gabi*). Gabi hat nicht viel zu tun. Das ist auch der primäre Grund, warum Gabi zum Zerreißwolf wurde bzw. die Position übertragen bekommen hat.

Gabi, eigentlich Frau Ekel, gehört zur Führungsetage und hat, weil außer seiner Majestät König Autistiko II. ja eh niemand etwas zu sagen oder zu melden hat, jede Menge freie Zeit. Eines Tages stellte Gabi fest, dass es nicht so intelligent sei, Geschäftskorrespondenz einfach so in den Papierkorb zu werfen, insbesondere auch, weil der Papierkorb unverschlossen vor dem Haus steht. Als mögliche Optionen standen folgende Ideen zur Auswahl:
  1. Reißwolf kaufen und Papier selbst schreddern
    Ist viel zu einfach und zu billig. Das Problem wäre binnen weniger Tage gelöst. Es müsste nur jemand eine Investitionsentscheidung für 100 EUR treffen.

  2. Verschließbare Papierkörbe aufstellen und Dienstleister mit der qualifizierten Vernichtung beauftragen
    Ist auch viel zu einfach. Es müsste nur jemand einen Dienstleister beauftragen und den Vertrag abzeichnen.

  3. Kein Papier wegwerfen und statt dessen alles gnadenlos archivieren
    Die vermutlich beste Lösung. Scheitert nur leider daran, dass die Archivierungsmöglichkeiten bereits seit einem Jahr vollständig ausgeschöpft sind.

  4. Kein Papier verwenden und somit die Entsorgung umgehen
    Herrlich - ganz im Sinne seiner Majestät König Autistiko II., nur leider ziemlich unrealistisch - zumindestens für normal denkende Menschen.

  5. Papier nach dem Verursacherprinzip per Hand shreddern
    Auch schön - die Berufsgenossenschaft wird die Auflockerung der monotonen Bildschirmarbeit sicherlich wohlwollend zur Kenntnis nehmen. Der Nerv-Faktor ist jedoch grauenvoll: den ganzen Tag bei Langoliers live dabei – ich dreh' durch ... den Aspekt Wirtschaftlichkeit wollen wir dann gern nicht erst betrachten.

  6. Problem ignorieren und so tun, als rauscht es in den Ohren, wenn das Thema angesprochen wird
    Klasse. Wieder eine Möglichkeit jahrzehntelange Erfahrung sinnvoll einzubringen. Man muss sich halt nur daran gewöhnen, dass man das gleiche Gejammer immer wieder hört.

Nach einer mehrere Monate dauernden Entscheidungsphase haben wir uns für Plan B alias Gabi entschieden. Gabi sammelt jeden Tag den Papiermüll ein und schreddert ihn per Hand - also sie zerreißt jedes Blatt einzeln in etwa sechs Quadratzentimeter große Stücke. Achtung: Das wird nachgeprüft!

Ach was bin ich glücklich. Es kann so einfach sein, Probleme zu lösen. Man muss nur überzeugend auftreten, um einen Dummen zu finden der nicht merkt, wo die Grenze zum Schwachsinn verläuft.


*) Name von der Redaktion geändert

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3 Kommentare:

Am/um Dienstag, August 15, 2006 10:28:00 vorm. , Anonymous Anonym meinte...

Wir stehen vor dem gleichen Problem. Hat Gabi noch Kapazitäten frei? Ich würde dann täglich ein kleines Paket schicken...

 
Am/um Dienstag, August 15, 2006 5:26:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

Hallo,

es wird jetzt aber allerhöchste Zeit - nix wie weg...

mfg
Ritchy

 
Am/um Montag, August 21, 2006 4:41:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

DAS kann ich jetzt echt nicht glauben...

Soviel Schwachsinn darf es doch in keinem Büro geben. Ach was, sogar im Kindergarten würden die Kids sowas effizienter lösen ... das darf echt nicht wahr sein. Wie immer erinnert mich die Lektüre hier, wie gut ich es doch in meinem Job habe, und wie schlimm es tatsächlich werden kann.

Mein Beileid, und meinen Respekt dafür dass sie nicht einfach weinend davon laufen.

 

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