Montag, 10. Juli 2006

Pssst ... Streng geheim

Das eine oder andere Mal habe ich den Eindruck, wir sind hier bei der Central Intelligence Agency (CIA). De facto jede Information in unserer Company unterliegt strengster Geheimhaltung. Das ist vermutlich auch der Grund, warum Mitarbeiter durchaus häufiger Tickets wegen Abbiegen ohne Blinken bekommen ;-)

Die Geheimniskrämerei ist ein fest verankerter Bestandteil im unternehmerischen Universum seiner Majestät König Autistiko II. und wird, wie viele andere seltsame Prozeduren, gehegt und gepflegt. Ein ausgesprochen schönes Beispiel ist bei den Zahlungsbedingungen zu finden: Bei uns kann man nicht davon ausgehen, dass das, was im Text einer Zahlungsbedingung auf einer Rechnung steht, tatsächlich das Zahlungsziel ist, was wir meinen. Der Kunde muss ja schließlich nicht alles wissen!

In der Praxis beschert uns der, wie auch anders zu erwarten, von seiner Majestät König Autistiko II. verordnete Unsinn Tag für Tag viele lustige Gespräche:

Kunde: Sagen Sie mal, warum haben Sie unsere Zahlungsbedingung geändert? Wir haben keinerlei Information diesbezüglich bekommen.


Ich: Ja, ich kenne das Problem. Auf Wunsch der Geschäftsführung wurde der Text der Zahlungsbedingung ein wenig modifiziert. Wir meinen aber nach wie vor die alte Kondition.


Kunde: Und warum können Sie das nicht gleich auf die Rechnung schreiben?


Ich: Wie ich schon sagte: Es war ein ausdrücklicher Wunsch der Geschäftsführung. Ich möchte mich für die Unannehmlichkeiten, die Ihnen dadurch entstanden sind, entschuldigen. Ich kann aber ad-hoc leider nichts daran ändern.


Kunde: Das ist schlecht. So kann ich doch nicht meine Buchhaltung machen, wenn Sie nicht das auf die Rechnung schreiben, was wir vereinbart haben. Und außerdem stimmen die Angaben zur Skontofrist und dem Nettoziel irgendwie auch nicht. Wenn ich das unter Berücksichtigung der "alten" Konditionen nachrechne, komme ich wieder auf andere Termine.


Ich: Ja, ich weiss.


Kunde: Kann ich den bitte mit der Geschäftsführung sprechen?


Ich: Sicher, aber ich glaube, ehrlich gesagt, nicht, dass Sie das wirklich wollen.


Kunde: So?


Ich: Na ja, Sie sind nicht der erste Kunde, der damit nicht einverstanden ist. Ich werde aber, Ihr Einverständnis vorausgesetzt, unsere heutiges Gespräch zum Anlass nehmen und erneut auf diese Thematik mit Nachdruck aufmerksam machen.


Kunde: Ja, das wäre nett, wenn auch etwas merkwürdig.


Ich: Kein Problem ... ich könnte Ihnen jetzt noch eine Geschichte erzählen, da würden Sie stumpf vom Hocker fallen ... nein, im ernst: Habe Sie schon mal beim CIA angerufen und ein Dossier Ihres Nachbarn bestellt?



Diese Art von Gesprächen führen eine ganze Reihe von Kollegen gleich mehrfach jeden Tag. Mal schauen, wann wir den Firmennamen bei der Entgegennahme von Anrufen nicht mehr nennen dürfen. Den Briefkasten und das Firmenschild haben wir ja gar nicht erst angebaut ;-)

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3 Kommentare:

Am/um Montag, Juli 10, 2006 2:42:00 nachm. , Anonymous Einer meinte...

Ist das $ERP System nicht in der Lage kundenspezifische Zahlungbedingungen anzudrucken? Frage doch mal eure IT-Abteilung oder eure $Berater...

 
Am/um Montag, Juli 10, 2006 5:18:00 nachm. , Anonymous h meinte...

Andererseits, komischer Kunde. Was stört ihn der Text auf der Rechnung? Er hat eine Vereinbarung und Rechnungstexte sind sowieso zu spät...

 
Am/um Montag, Juli 10, 2006 7:23:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Doch, es kann sehr individuelle Texte ausgeben. Man muss es nur wollen ;-)

Wenn man jedoch "14 Tage 2% oder 30 Tage netto) zu "14 Tage 2%" macht und jegliche Diskussion zum Für und Wider ablehnt, dann geht das nicht anders.

@"Was stört den Kunden?": Nun, er kann rein subjektiv empfunden nicht mehr einfach so nach 30 Tagen zahlen ;-)

 

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