Dienstag, 6. Juni 2006

Verbale Fluchtreflexe

Es gibt Abteilungen, in denen wird auch ohne seine Majestät König Autistiko II. fast täglich ganz großes Kino geboten. Frau Niedlich gilt dabei als Garant für gute Unterhaltung. Sie hat dabei ihr ganz individuelles Repertoire entwickelt, dass hauptsächlich aus verbaler Artistik besteht. Das klingt zwar im ersten Moment nicht sonderlich spannend, ist aber bei näherer Betrachtung erstklassige Unterhaltung.

Das Konzept ist dabei einfach wie genial: Jede Frage wird mit einem "Ja" beantwortet. Der Gesprächspartner hat immer recht. Frau Niedlich fragt grundsätzlich niemals nach. Das ganze wird, sofern es über das gelegentliche "Ja" hinausgeht, im Ton Überschäumender Freude wiedergegeben. Insgesamt scheint das Unterhaltungskonzept von Frau Niedlich darauf aufzubauen, sich nach Möglichkeit vor jeder halbwegs konkreten Aussage zu drücken. Im Grunde ist dieser, möglicherweise sogar angeborene Fluchtreflex die ideale Konversationsmethode für Gespräche mit seiner Majestät König Autistiko II. - selbst er kann dem kindlichem Gemüt nicht böse sein. Ich denke aber, dass es für das Applizieren dieser Charaktereigenschaft für die meisten Kollegen schon zu spät ist. Entweder man hat das konsequent von Beginn an durchgezogen, oder es funktioniert nicht.

Ein Beispiel hierfür bot ich schon einmal im Artikel über unseren Kindergarten feil. Heute gab es wieder das "volle Programm": Nachdem ich dreimal hintereinander nach der jeweils fünften Zustimmung herausgefunden habe, dass nicht klar ist, was zu tun ist, habe ich mir überlegt, in der Zukunft einfach konzentriert fünfmal hintereinander das obligatorische "Ja" abzufragen, um dann die alles entscheidende Kontrollfrage zu stellen: "Und, wissen Sie jetzt, was Sie machen müssen?"

Meine Kollegen rollen sich jedesmal vor Lachen fast aus dem Büro. Sehr schön – ich freue mich immer sehr, dass ich euch angenehm unterhalten konnte. Ich erinnere euch gerne daran, wenn ihr einmal die Impulsgeber seid ;-)

Das eigentlich schlimme daran ist jedoch, dass man Frau Niedlich noch nicht einmal böse sein kann. Und wer das doch einmal versucht, wird vermutlich sofort wegen Gemütsmisshandlung angeklagt.


PS: Ich werde mit Frau Niedlich kurzfristig darüber verhandeln, ob ich als ihr Agent im Entertainment-Bereich fungieren kann.

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