Freitag, 19. Mai 2006

Programme zur Verbesserung der Rendite

Ausgehend vom einem Artikel des Kollegen aus der Verwaltung, bei dem ich mich für das wunderbare Stichwort bedanke, gibt es heute eine kleine Anekdote zum Thema Investitionszulage.

Dank der zum Teil monströsen Bürokratie in Deutschland, die selbst vor dem Bereich Investitions- und Wirtschaftsförderung nicht oder gerade erst recht nicht halt macht, hat meistens nur der eine Chance Fördermittel abzugreifen, der das meiste Geld hat und somit möglichst viele findige Wirtschaftsprüfer und Steuerberater damit beschäftigen kann, das Angebot an Wirtschaftsförderprogrammen abzugrasen.

Seine Majestät König Autistiko II. ist irgendwann auf die Idee gekommen, an diesem süßen, mit Steuergeldern prall gefüllten Honigtopf zu partizipieren. Seit dem werden abschnittsweise alljährlich ganze Heerscharen von Mitarbeitern und Wirtschaftsprüfern damit beschäftigt, das Beste herauszuholen. Bei der Gelegenheit macht dann der eine oder andere Kollege seinen großen Kopierschein gleich mit. Die äußerst selten anzutreffenden Sitzenbleiber, also Kollegen, die mehr als fünf Jahre im Sog der verbalen Devotationspornografie seiner Majestät König Autistiko II. hängen geblieben sind, haben zum Teil schon zum Dr. des Kopierens promoviert. Herzliches Beileid bei der Gelegenheit.

Also grundsätzlich habe ich gegen das Beantragen von Fördergeldern wie Investitionszulagen oder den so innig geliebten Subventionen nichts einzuwenden. Es ist legal und wirtschaftlich konsequent wie notwendig.

Seltsam wird das ganze System aber erst bei näherer Betrachtung: Aus dem gemeinschaftlichen Steueraufkommen - na ja, eigentlich eher hauptsächlich aus dem der nicht selbständig beschäftigten Steuerzahler, da die scheuen Unternehmen immer seltener beim Steuerzahlen beobachtet werden können – werden Programme zur Wirtschaftsförderung aufgelegt. Diese Steuereinnahmen werden dann wieder an Unternehmen verteilt. In der Regel, auch weil die Mitnahmementalität in Deutschland eine lange Tradition hat, sind die Zuschüsse nicht rückzahlbar. Und weil Bürokratie zum Deutschtum einfach dazugehört, geht das auch nicht ohne den Verwaltungswahnsinn vom Amt. Aber schließlich hat die Prüfung eines Antrags in so fern einen Sinn, als dass Fördermittel nicht wahllos im Gießkannenverfahren verteilt werden sollen.

Soweit zur Theorie. In der Praxis läuft das bekanntermaßen ein klein wenig anders: Ob es Fördermittel gibt, weiß meistens nur der gut informierte Unternehmer. Informationen kosten Geld und daher sind die Erleuchteten oft die Unternehmen, die die Zuschüsse einstreichen, obwohl sie eigentlich gar keine Fördergelder bräuchten. So haben auch wir für jeden investierten Euro tatsächlich nur 65 Cent ausgegeben. Wir bedanken uns bei den Steuerzahlern, die uns respektive seine Majestät König Autistiko II. Tag für Tag noch reicher machen. Das Geld quillt uns schon den Taschen und wir können es nur noch mit Mühe und Not zurückquetschen.

Da die Insubordination auf der Legislativen Ebene in Deutschland scheinbar grenzenlos ist, habe ich an dieser Stelle mal einen kleinen Vorschlag:

a) Fördermittel gibt es nur von einer Instanz – beispielsweise der Kreditanstalt für Wiederaufbau.

b) Fördermittel gibt es nur als Darlehen. Dessen Rückzahlung kann man mittels niedriger Zinsen und Tilgungssätze attraktiv gestalten.

c) Fördermittel gibt es nur für Unternehmen, die diese tatsächlich brauchen. Man könnte dazu beispielsweise die Bilanz und G+V-Rechnung nach IAS/IFRS der letzten zwei oder drei Jahre prüfen.

Fazit: Die Fördergelder würden ehrlicher verteilt werden, da einerseits der finanzielle Wissensvorsprung weniger ausschlaggebend wäre und andererseits Unternehmen mit 20% Eigenkapitalrendite nicht die Ausstattung der Büroküche finanziert wird. Daneben unterstützt Transparenz im Zusammenhang mit der Steuererhebung und -verwendung wiederum die Steuerehrlichkeit. Im Moment kann man viele Programme zur Förderung der Wirtschaft eigentlich gleich Programme zur Verbesserung der Eigenkapitalrendite nennen.


Abschließend komme ich noch einmal zurück auf die Frage nach der Subventionierbarkeit der 800 EUR-Espressomaschine. Ich denke die Frage an sich zeigt recht deutlich, dass die Mitnahmementalität das Unrechtsbewußtsein bei vielen Menschen (unbewußt) ersetzt hat. So wird lieber Stütze kassiert als Arbeiten gegangen und zur Not auch die Espressomaschine aus den Steuergeldern der Nachbarn finanziert.

Man sollte aber andererseits auch bedenken, dass die Bürokratie zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor in Europa geworden ist. Man stelle sich nur einmal vor, wieviele Menschen arbeitslos wären, wenn man die Verwaltung des Staats simplifizieren würde.

Nein, ich finde das toll. Also bitte den Kollegen nicht verprügeln. Kann mir jemand vielleicht einen Investitionsantrag rübermailen? Eine Espressomaschine hätte ich nämlich auch gern ;-)


PS: Man könne Investitionszulagen aber auch als Programme für die Förderung der finnischen Wirtschaft bezeichnen - zumindestens bei uns. Ohne die Bürokratie im Zusammenhang mit der Beantragung von Zulagen müssten wir nicht jedes Jahr 10 Hektar finnischen Wald fällen, um allein die Kopien für die Anträge anzufertigen.

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2 Kommentare:

Am/um Freitag, Mai 19, 2006 6:12:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

hallo,
sehr schöner artikel. nur ein kleiner anstoss zum nachdenken von wegen stütze statt arbeit:
ich würde als Kfm im EH laut tarif in Rheinland-Pfalz 900 € NETTO verdienen. Nach mainer Ausbildung. Da stellt sich aber die Frage, ob dass so sinnvoll wäre. Denn bei ca 400 € Kaltmiete für ne Einzimmerwohnung, Auto (Steuer + Benzin), Essen (ca 150 € im Monat) und Internet (Handy Prepaid ersetzt das Festnetz) wird es schon eng. Und wehe das Auto geht kaputt, die Waschmaschine oder man braucht mal ein paar Schuhe mehr. Lohnt es sich noch Arbeiten zu gehen oder doch lieber Harz IV und dafür brauch ich mir keine Gedanken zu machen ob meine Waschmaschine am nächsten Tag noch funktioniert, weil mir die der Staat bezahlt.
Gelobt seie die negative Einkommenssteuer...

 
Am/um Freitag, Mai 19, 2006 8:33:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Sicher, einfach ist es nicht. Keine Frage. Ich will auf Dein Schicksal nicht aus Unhöflichkeit nicht detailliert eingehen. Mir ging es eher um eine grundsätzliche Auseinandersetzung.

Fakt ist aber auch, dass es zu viele Menschen gibt, die das soziale Netz in Deutschland als paritätischen Selbstbedienungladen ansehen und schlicht nicht auf die Idee kommen würden, über die Rechtmäßigkeit der empfangenen Leistungen nachzudenken.

Die Politik tut dann ihr übriges, in dem man das unqualifizierte Geschwätz rund um die 1 EUR-Jobs toleriert. Kaum einer sieht nämlich, dass jeder, der Leistungen vom Staat empfängt, gerade in den Zeiten leerer Kassen und bevorstehender Unbezahlbarkeit sozialer Leistungen einmal mehr darüber nachdenken sollte, dass er der Gesellschaft eine Gegenleistungen für den Erhalt der "Stütze" schuldig ist.

Ich halte die sozialen Errungenschaften in Deutschland für wertvoll und erhaltenswert. Aber auch ich für meinen Teil muß auch hart arbeiten und bin überhaupt nicht bereit für Mitmenschen, die oftmals lieber in der eigenen Lethargie verharren, als sich einmal aufzurappeln und erkennen, dass nicht jeder Mercedes-Benz fahren kann, meinen solidarischen Beitrag zu leisten. Ich denke, die Gesellschaft hat ein Anrecht darauf, dass sich jeder nicht nur seiner Rechte, sondern auch seiner Pflichten bewusst wird ;-)

 

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