Donnerstag, 11. Oktober 2007

Meinungsfreiheit

Ich finde es einigermaßen erstaunlich, in welcher Art und Weise mit Eva Hermann neuerdings in den Medien umgegangen wird. Man könnte glatt den Eindruck haben, dass eine ganze Reihe von bekannten Persönlichkeiten das, zugegeben, ein wenig von der allgemeinen Sichtweise abweichende Meinungsbild von Eva Hermann als Steilvorlage erachten und sich auf ihre Kosten profilieren wollen. Jüngstes Beispiel ist Johannes B. Kerner. Allerdings muss man aufpassen, dass der Schuss nicht nach hinten los geht.

Nachdem ich den Beitrag gesehen habe werde ich den Eindruck nicht los, dass keiner der Anwesenden sowohl das ursprüngliche Interview von Eva Hermann in seiner Gesamtheit gesehen, als auch die Bereitschaft zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mitgebracht hat. Die Unterstellung der Glorifizierung der nationalsozialistischen Diktatur unter Adolf Hitler ist, gelinde ausgedrückt, so weit hergeholt, wie die Rosswell-Verschwörung.

Meines Erachtens sollten einige Journalisten ihren Umgang mit Meinungsfreiheit grundsätzlich überdenken. Andererseits ist die ganze Diskussion ein sehr schönes Beispiel für die in Deutschland omnipräsente Unfähigkeit für eine objektive Auseinandersetzung mit schwierigen Themen. Entweder sind sie an Einseitigkeit kaum zu überbieten oder es wird endlos um den sprichwörtlichen heißen Brei geredet. Insbesondere Letztes ist sehr schön bei der Ethik-Debatte zu beobachten - hier sollte man sich bei einigen der entscheidungsunfähigen Diskussionsteilnehmern mal die Zimmerpflanzen ansehen und dann die Frage nach ethischer Vertretbarkeit erneut stellen ;-)

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7 Kommentare:

Am/um Donnerstag, Oktober 11, 2007 11:57:00 vorm. , Anonymous Anonym meinte...

(Bis heute hat mich die ganze Angelegenheit nicht interessiert.)

So wie ich das jetzt beurteilen kann, anhand des langen Originalzitats und der Stellungnahmen Hermans, beides bei Kerner zu sehen, würde ich sagen, dass es wirklich nur ein Missverständnis war.
Sie beschreibt in meinen Augen klar ihre Hypothese: In der Nachkriegszeit trennte man sich generell von allem, was aus dem Dritten Reich übrig war. Dem fiel auch das klassische Frauenbild und das von der Familie, dass vorher jahrhundertelang als Norm galt, zum Opfer. Da Herman aber dieses alte Familienbild unterstützt oder zumindest fordert, dass dieses toleriert wird, kritisiert sie, dass dieses Bild von den 68ern abgeschafft wurde.
Ob diese Hypothese Sinn macht, sei dahingestellt - aber Rechts ist sie sicherlich nicht.

 
Am/um Donnerstag, Oktober 11, 2007 12:37:00 nachm. , Anonymous Kiwi meinte...

Scott Adams (der Schöpfer von Dilbert) bezeichnet dieses Phänomen in seinem Blog als "Cognitive Dissonance". Und er schreibt oft dazu (meist aus aktuellem Anlass). Das Problem gibt's also nicht nur hier.

 
Am/um Donnerstag, Oktober 11, 2007 4:35:00 nachm. , Anonymous himbeertoni meinte...

dem kann ich mich nur anschließen. Es scheint man will absichtlich aneinander vorbei reden.

Das Gästebuch von E. H. ist wegen Wartungsarbeiten geschlossen aber im Cache von Google noch vorhanden (hohe Resonanz auf die Kerner Show ?)

 
Am/um Donnerstag, Oktober 11, 2007 5:14:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

Meine Güte! Der Kerner sollte darüber nachdenken, dem 68er-Club beizutreten. Dort kann er sich mit mit Gleich-Schwachsinnigen selbstbeweihräuchern.
Ich habe den entsprechenden Ausschnitt gestern in den "Nachrichten" auf RTL (die Bild-Zeitung des Fernsehens) anschauen müssen und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Sobald eine Meinung eher unangenehm ist, wird die Nazi-Keule geschwungen und *schwupps* ist sie weg vom Fenster, die Eva.
BTW, hat jemand mitbekommen, dass einige Leute nach ihrem Autobahn-Statement geklatscht haben?

 
Am/um Donnerstag, Oktober 11, 2007 8:45:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

Das ganze Geschrei übers Frauenbild ist ohnehin lächerlich. Was für ein Männerbild gab's denn bei den Nazis; Menschenmaterial, das für den Kampf verheizt werden konnte. Da fragt wohl niemand mehr nach? Aber was will man auch erwarten zu einer Zeit, in der ein sogenannter Komiker (Mario Barth), offensichtlich kastriert, sich noch toll dabei vorkommt, sich selbst wegen seines Geschlechts als primitiv hinzustellen. Man stelle sich mal eine Komödiantin vor, die gefragt wird, ob "Frauen überhaupt Vorzüge vor Männern haben" - genau das hat JBK umgekehrt bei Barth getan, und der hat mit seiner kreuzdämlichen Antwort auch noch mitgemacht. Gegen den war mir Schreinemakers noch symphatisch.

Jedenfalls ist die traditionelle Rollenverteilung auch für uns Herren nachteilig, oder trauert jemand den 3 Jahren Kriegsdienst unter Wilhelm II. nach? Schlimm genug, dass der damalige Mutterkult noch heute im Familienrecht Anwendung findet, wenn es z.B. ums Umgangsrecht mit den Kindern nach einer Trennung geht.
Deshalb: solche Leute gerne absägen, auch wenn der Grund in diesem Fall recht lächerlich ist.

 
Am/um Donnerstag, Oktober 11, 2007 10:02:00 nachm. , Anonymous Simon meinte...

Meinungsfreiheit ist ein Abwehrrecht des Bürgers gegen den Staat. Und nichts weiter.

Der Kerner hat nur von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht. Jetzt mal unabhängig davon, ob er das nur getan hat, damit er ne dpa- und Bildmeldung bekommt.

 
Am/um Freitag, Oktober 12, 2007 7:18:00 vorm. , Anonymous noch ein Markus meinte...

"ob er das nur getan hat, damit er ne dpa- und Bildmeldung bekommt"
das ist der einzige Grund denk ich.
und schön 1 Tag vorher angekündigt.
und Eva fliegt sofort durch zur Buchmesse wo, oh Schreck!, ihr neues Buch vorgestellt wird.

 

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