Sonntag, 11. März 2007

Was zwischenzeitlich geschah

oder: Nichts ist spannender als die Wirklichkeit

Wie versprochen geht es hier nun wieder etwas kontinuierlicher weiter. Zunächst ein paar Worte zu meinem Job und insbesondere der Suche nach einem Neuen.

Leider hat es mit dem Job, für den ich mich schon im Dezember letzten Jahres beworben hatte, nun doch nicht geklappt. Obwohl ich (noch) nicht genau weiß, an was es Schluss und letztendlich gelegen hat, glaube ich nach wie vor eine ganz gute Figur gemacht zu haben. OK, im nach hinein ist man bekanntlich immer ein wenig schlauer und weiß, dass man das Eine oder Andere hätte etwas markanter hervorheben oder deutlicher zum Ausdruck bringen können, aber egal - es geht weiter und ich bin um eine Erfahrung reicher geworden.

So ganz untätig war ich in der Zwischenzeit nicht. Ich hatte und habe eigentlich auch nach wie vor nicht vor, meine Pensionierung im Reich seiner Majestät König Autistiko II. zu erwarten. Man muss aber realistisch bleiben. Wenn ich mich zwischen wirtschaftlich grundsolidem Erzkonservatismus und liberalen Freigeist eines Bettelmönches entscheiden muss, dann muss auch ich die real existierende Forderung nach Bargeld an der Supermarktkasse anerkennen und eine wirtschaftlich vertretbare Entscheidung treffen.

Ich habe daher über die Informanten meines Vertrauens im Dunstkreis seiner Majestät König Autistiko II. einstreuen lassen, dass ich mich kurzfristig auf dem Absprung befinde. Eigentlich wollte ich in erster und vielleicht sogar einziger Linie einmal antesten, was bei seiner Majestät König Autistiko II. geht und was nicht bzw. welche Wertigkeit mir im Laufe der Jahre zuteil geworden ist. Ganz im Sinne Hollywoods habe ich mir in der Zwischenzeit ein schönes, wortgewaltiges und vor allem nicht an theatralischen Metaphern sparendes "Schlussplädoyer" zurechtgelegt. Aber es kam alles ganz anders.

Kaum drei Tage nachdem ich die Information in Umlauf gebracht habe, kam die ganze Maschinerie in Bewegung. Zunächst einmal stand meine persönliche Messlatte für fachliche und soziale Inkompetenz, Frau Ekel, auf der Matte. Richtig was zu bieten hatte sie nicht. Warum sie trotzdem mit der Mitleidsnummer kam, weiß ich nicht. Als nächstes kam seine Majestät König Autistiko II. - na ja, er kündigte eigentlich nur an, mit mir sprechen zu wollen. Das einzige dann mit seiner Majestät König Autistiko II. stattgefundene Gespräch war im Grunde nur ein Monolog. Diesmal aber von mir, ehrlich! Es könnte, bei näherer Betrachtung, allerdings daran gelegen haben, dass seine Majestät König Autistiko II. an jenem Tag eine ausgesprochen labile Einstellung zu seinem Ego hatte und gar nicht widersprechen wollte. Vielleicht hat er aber auch akzeptiert, dass die Kommunikation zwischen uns beiden von ernst zu nehmender Konsequenz geprägt ist.

Das für mich tatsächlich interessante Gespräch hatte ich dann letzten Monat mit dem neuen Geschäftsführer. Übrigens: Erwähnte ich eigentlich, dass seine Majestät König Autistiko II. seine Hoheit Graf Blender I., auch bekannt als Herr Glitschi, gefeuert hat?

So what ... das Gespräch war ausgesprochen produktiv. Ich habe im Grunde das einstudierte Plädoyer in leicht abgewandelter Form vorgetragen und insgeheim gehofft, dass sich der neue Geschäftsführer den Passus über die Probezeit in seinem Arbeitsvertrag noch einmal näher ansieht. Im Laufe des Gespräches wurde sehr offen über verschiedene Aspekte gesprochen. So ist bei seiner Majestät König Autistiko II. offenbar zwischenzeitlich auch angekommen, dass die Fluktuation an Fachpersonal bedrohliche Ausmaße angenommen hat. An der Strategie des Gegensteuerns müssen wir aber noch arbeiten ;-)

Summa summarum ist aus der kleinen Plauderei dann eine waschechte Pokerrunde geworden: Die obligatorischen paar Hundert Euro im Monat als Gehaltserhöhung habe ich glatt weg als Beleidigung abgelehnt. Ich konnte allerdings nicht ahnen, dass man auf die Verdoppelung der Zahl eingehen würde. Nachdem ich mich innerlich dafür geohrfeigt habe, nicht den dreifachen Betrag zu nennen, habe ich mit Urlaubstagen, Personalqualifizierungsmaßnahmen und Beförderungen nachgelegt. Und nein, verdammt, es wurde alles akzeptiert, und zwar ohne mit der Wimper zu zucken.

Weil ich, wie gesagt, nicht zum Pokern gekommen war, habe ich mit zunächst einmal Bedenkzeit erbeten. Zu diesem Zeitpunkt lief die andere Bewerbung noch und irgendwie stirbt die Hoffnung ja zuletzt.

Nachdem sich dann der neue Job zerschlagen hatte, habe ich noch einmal über die gebotene Perspektive bei seiner Majestät König Autistiko II. nachgedacht. Ich bin zum Schluss gekommen, dass man den Typen mit Schmerzensgeld zumindestens noch eine Weile ertragen kann. So ganz einfach ist mir die Entscheidung allerdings nicht gefallen, da ich in gewisser Art und Weise ein Prinzipienmensch bin. Und dazu gehört auch zu erkennen, wann man aufhören sollte, bevor man sich gänzlich den Verstand und die Kompetenz ruiniert. Ich sehe schon Frau Nörgel, die sich übrigens seit ihrem Weggang nicht wieder gemeldet hat und somit eindrucksvoll meine Menschenkenntnis bestätigt hat, vor mir stehen und sagen: "Na, eingeknickt?". Ja, sicher, in gewisser Art und Weise mag das stimmen. Aber dafür bekomme ich fast doppelt soviel Gehalt wie du ;-)

Wie man sehen respektive lesen kann, befinde ich mich in einem schlimmen Zwiespalt zwischen meinen Prinzipien und meinem Anlageberater. Mal schauen, was daraus wird ...

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5 Kommentare:

Am/um Sonntag, März 11, 2007 11:32:00 nachm. , Anonymous Mr. Bankblogger meinte...

Na das klingt doch mal erfolgreich - auch wenns schwerfällt unter seiner Majestät - sei froh um deinen Bürostuhl.

Ich an meiner Stelle jedenfalls wäre froh um jedes Wunder das sich - Bürostuhlerhaltend - finden ließe...

 
Am/um Montag, März 12, 2007 8:25:00 vorm. , Anonymous Anonym meinte...

Steck dir halt ne Kopie des letzten Gehaltsschecks in die Tasche .. und jedesmal wenn es wieder mal schlimm wird, schau drauf und summe folgendes Mantra: "Er muß mich dafür bezahlen das auszuhalten"

*G* Gratuliere - ob zurecht wird die Zeit zeigen

 
Am/um Montag, März 12, 2007 8:28:00 vorm. , Anonymous Steeefan meinte...

Das ist doch nicht verkerht.

Glückwunsch!

 
Am/um Montag, März 12, 2007 10:54:00 vorm. , Anonymous Dirk Becker meinte...

Im Grunde ist es doch eine recht gute Situation. Dein Arbeitgeber war bereit Dein Gehalt zu verdoppeln, dann würde ich mal davon ausgehen, das er auch Wert auf Deine Meinung legt (eine billig Arbeitskraft bist DU ja nun nicht mehr).

Ich glaube, an Deiner Stelle, würde ich, bevor ich endgültig zu sage noch einmal klar stellen, das ich mich in Zukunft häufiger zu den Arbeitsabläufen äußern möchte und erwarte, das man mir Gehör schenkt; außerdem vielleicht den Vertrag nur um ein halbes Jahr verlängern, dann schwebt immer noch das Schwert der Kündigung über dem Ganzen und ich könnte vielleicht wirklich noch ein paar Dinge zum Positiven wenden. Nicht nur für mich, auch für die Firma, bzw. die Kollegen. Obwohl: Ich bin ja im Nebenberuf Weltverbesserer, ist wahrscheinlich auch nicht jedermanns Sache ;-)

Ansonsten, erstmal herzlichen Glückwunsch für den erfolgreichen Abschluss...

 
Am/um Dienstag, März 13, 2007 4:32:00 nachm. , Anonymous Einerlinerter meinte...

In Engeland wird nicht umsonst das Gehalt "Compensation" genannt. Manch müssen halt ein wenig mehr kompensieren als andere...

 

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