Sonntag, 10. Dezember 2006

James Bond - Casino Royale

So, nachdem ich, als bekennender James Bond-Fan, nunmehr auch das neuste Werk "James Bond 007 - Casino Royale" im Kino begutachtet habe, erlaube ich mir eine kleine Rezension:

Mein persönliches Resümee: Leider eindeutig nicht empfehlenswert!

Wenn ich in den 21. Film aus einer langjährigen und weltweit äußerst erfolgreichen Reihe von Filmen gehe, dann habe ich einen konkreten Anspruch an das, was mich erwartet: Ein spektakulärer Agentenfilm.

Man kann die Schauspieler und die Locations austauschen. Wenn man jedoch damit beginnt, die Elemente der Handlung weiträumig umzubauen, dann verändert man den Charakter eines Filmes. Die Produzenten, Regisseure und Drehbuchautoren scheinen entweder neu im Filmgeschäfts zu sein oder kennen schlicht nicht die bisherigen James Bond-Filme. Zu diesem Eindruck muss man zwangsläufig kommen, wenn man das aktuelle Werk gesehen hat.

Das Drama fängt schon gleich zu Beginn es Films an: Über den Reiz eines s/w-Retro-Looks kann man geteilter Meinung sein. Meines Erachtens hätte man sich die Passage sparen können, da sie weder notwendig noch interessant war. Bei dem im Laufe der Jahrzehnte zum Kultstatus aufgestiegenen Opener hat offensichtlich eine Gruppe von Studenten aus dem Fachbereich Mediengestaltung gezeigt, dass man auch mit einfachen animierten Papierschnitten das Budget der Produktion deutlich entlasten kann. Visuell begeistert das aber eben wenig bis gar nicht. Die akustische Untermalung verdanken wir Chris Cornell - und ich dachte eigentlich, dass Sheryl Crow schon peinlich genug war.

Die im Laufe der Handlung gezeigten Stunts sind beeindruckend. Warum die Handlung jedoch wiederholt bis zu 10 Minuten in die Belanglosigkeit abgleitet, verstehe ich nicht. Bei knapp zweieinhalb Stunde Länge hätte man doch kein Problem gehabt, heraus zu schneiden.

Gänzlich unklar ist mir jedoch, warum man faktisch zum Konzept der James Bond-Filme gehörende Charaktere wie Ms Moneypenny und Q gestrichen hat und stattdessen auf gefühlsbetonte und schlicht nicht in das Konzept passende Handlungspassagen eingebaut hat - beim Einlaufen der Segelyacht in Venedig habe ich, ehrlich gesagt, schon Bilder von James Bond Junior befürchtet.

Dem Fass endgültig den Boden schlägt jedoch das Product Placement aus: Meines Erachtens ist die Häufigkeit und Länge, in der Marken gezeigt werden, eine bodenlose Frechheit, da es für Kinobesucher kein Welcome Pack mit SonyEricsson-Handys oder Freiflügen mit Virgin Atlantic gab.

Gar nicht erwähnenswert ist dann die Tatsache, dass es faktisch keine technischen Gimmicks zu bestaunen gab und die einzige Szene mit einem coolen Auto lediglich zwei Minuten dauerte.

Fazit: Thema total verfehlt. Der Film wurde faktisch aller seiner Stilelemente beraubt. Meines Erachtens sollte man Barbara Broccoli die von ihrem Vater Albert R. Broccoli geerbten Rechte an der James Bond-Reihe wegen Unfähigkeit entziehen. Ich hoffe jedoch sehr, dass sich die Macher des 22. James-Bond-Film, der im November 2008 erscheinen soll, sich wieder ihrer Wurzeln besinnen.

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9 Kommentare:

Am/um Sonntag, Dezember 10, 2006 12:15:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

ich glaube da kannst du lange hoffen, der james bond wird nie wieder der alte bond und ich muss sagen: und das ist gut so.
ich finde ihn endlich männlicher, actionreicher und besser.
ich mochte auch den alten bond, aber den neuen finde ich fantastisch. ganz ehrlich und wenn ich mir die kritiken so quer durch die bank anschaue, scheine ich wahrlich nicht alleíne da zu stehen.

 
Am/um Sonntag, Dezember 10, 2006 12:34:00 nachm. , Anonymous Kurti meinte...

Der Eindruck bleibt klar zwiespältig.
Der Film hat was von "Im Geheimdienst Ihrer Majestät", inklusive Kündigung und einer mit einer Leiche endenden Frau/Geliebten. Auf der anderen Seite ist ein Vergleich mit "Liebesgrüße aus Moskau" nicht von der Hand zu weisen, was den Mangel an Gadgets angeht und die Nahkämpfe.

Ärgerlich wird es, wenn es nur einen "Plot Device" im ganzen Film gibt, der fast für nichts zu gebrauchen ist, aber glücklicherweise findet sich ja doch noch ein Drehbuchautor, der eine Einsatzmöglichkeit für einen Defibrilator unterbringen kann.

Die anderen Bonds finden wie selbstverständlich ihren Bösewicht, und nehmen ihm nonchalant die Basis hoch - hier macht Bond zuviel "Drecksarbeit". Man sollte doch erwarten, daß Überwachungen nicht von der absoluten Elite durchgeführt werden.

Die Krone wird dem ganzen aufgesetzt, wenn ein Plot Twist den nächsten jagt. Das ist ein Bond-Film, und nicht The Sixth Sense...

Den Vorspann raus, die Baustellenverfolgung raus... den Film mit dem Flughafenplot beginnen, und das wäre ein Top-Film gewesen.

 
Am/um Sonntag, Dezember 10, 2006 2:12:00 nachm. , Anonymous Anonym meinte...

also ich bin froh über die massiven veränderungen in der bond-welt. vor allem in den letzten filmen war brosman nur mehr moderator einer endlosen abfolge von special effects, stunts, gimmicks und running gags. außerdem agierte der alte bond mit einer coolhei tund gelassenheit, die ans lächerliche grenzte.
der neue bond schwitzt, blutet und schreit wenn man ihm die eier malträtiert. gut so!

2 kleine kritikpunkte doch noch: *der supersportwagen war wirklich völlig unterfordert - ist die meiste zeit am parkplatz gestanden.
*die pokerpartie war viel zu unrealistisch. da wurde laufend mit flushes, full houses etc. gespielt, die aber nicht so oft vorkommen können. in der finalrunde hatte dann sowieso jeder mindestens einen flush. ich nehme mal an, auch die nicht-pokerspieler im publikum sollten kapieren "aha, der hat jetzt ein gutes blatt"

 
Am/um Sonntag, Dezember 10, 2006 3:34:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Um das vielleicht noch einmal deutlich zu sagen: Der Film an sich war nicht schlecht, aber eben nicht das, was ich erwartet habe, wenn ich in einen James Bond-Film gehe.

Klar, ein James Bond-Film war nie von Realismus geprägt. Das konnte man aber auch nicht wirklich erwarten. Aber genau das hat die Filme aber bislang immer ausgezeichnet.

 
Am/um Sonntag, Dezember 10, 2006 4:50:00 nachm. , Anonymous Steeefan meinte...

Ich sag ja immer Casony Royale..

 
Am/um Sonntag, Dezember 10, 2006 11:40:00 nachm. , Blogger CC-Agent meinte...

*klugscheiss*
Es heisst Rezension ;)

 
Am/um Montag, Dezember 11, 2006 4:59:00 nachm. , Anonymous Paule meinte...

Eine Szene macht eigentlich alles deutlich:

"Einen Martini bitte!"

"Geschüttelt oder gerührt?"

"Sehe ich so aus, als ob mich das interessieren würde?"

Herrlich!

Genau das ist es, was (die Produzenten um) Bond gebraucht hat:
Selbstironie

 
Am/um Montag, Dezember 11, 2006 6:04:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Einen Dank fürs Aufpassen an den CC-Agent :-)

 
Am/um Sonntag, Oktober 07, 2007 2:16:00 vorm. , Anonymous Jane Austen meinte...

Der Film ist schlicht schlecht.
Die Story hat Löcher, größer als durchschnittliche Meteoritenkrater.
Die Sprüche abgeschmackt, etwa zum Schweizer Bankier, ob er keine Schokolade habe. Die Liebesgeschichte ist nicht glaubwürdig. Daniel Craig ist ein abgehalfteter SAS-Mann, kein Bond.
Das Pierce Brosnans letzte Auftritte Bond beschädigt haben und ein Neuanfang nötig war, steht fest. Aber dieser ist schlicht Müll. Der Versuch, diese Geschichte aus dem Jahr 1953 zu verfilmen und dabei zu erneuern war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Hat sich irgendwer je gefragt, warum Albert Broccoli ihn nicht schon längst verfilmte. Craig ist als Junior 007 der seine Lizenz bekommt zu alt, er hat mehr Falten als Roger Moore in seinen letzten Filmen in den 80ern. Häufig wird gesagt, jetzt sei man Flemings Bond näher. Dieses hat zumindest das Kinopublikum nie gewollt. Sie wollte den coolen Helden, der sein Tun ironisch kommentiert.
Am Ende fehlt die Leichtigkeit, die Bond einst von anderen Actionhelden trennte.

 

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