Dienstag, 22. August 2006

Neue Rechtschreibung mal anders

Ich habe über wirklich grauenvolle Bewerbungen schon viel gelesen und gehört, selbst aber nie ein Exemplar vorliegen gehabt, das dem viel zitiertem Grauen auch nur ansatzweise nahe gekommen wäre. Das hat sich vor einigen Tagen geändert, als eine Bewerbung für einen technischen Job in unserer Company auf meinem Schreibtisch landete:


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte mich gerne bei ihnen Bewerbe um eine Anstellung in dem bei Ihnen Erlernten Beruf als $Berufsbezeichnung oder in anderen Bereichen.

Ich habe eine Ausbildung als $Berufsbezeichnung. In Ihrer Firma gemacht und war auch $Zahl Jahre bei Ihnen Beschäftigt.
[...]
Seit $Monat/Jahr Arbeite ich nebenbei, bei der Firma $Firmenname wo ich Wahren Kontrolliert und Verpackt.

Ich interessiere mich für $Thema den Lager Bereich bin flexibel und übe gerne kreative Fertigkeiten aus
Über eine Einladungen zu einem persönlichen Gespräch würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen



Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich mich verhalten soll respektive was ich dem Bewerber, dessen Namen nach es sich um einen Urdeutschen zu handeln schien, antworten soll. Mitleid war über weite Strecken der gedanklichen Auseinandersetzung bestimmend. Der PC des Bewerbers scheint ein ernst zu nehmendes Problem mit der Umschalt-Taste zu haben. Und das obwohl eine Tastatur nicht die Welt kostet. Ansonsten hat mich tief beeindruckt, dass der Hang zu kreativen "Fertigkeiten" so stark ausgeprägt ist: Da bleiben weder die Orthografie noch die Interpunktion verschont.

Nachdem ich drauf und dran war die Bewerbung dankend abzulehnen, habe ich noch mal überlegt, welche Optionen mir bleiben. Neben dem eingehend geschildertem Mitleid und einem Gutschein für einen Deutsch-Kurs bliebe noch die Möglichkeit, dem für den technischen Bereich zuständigen Abteilungsleiter die Einschätzung der fachlichen Qualifikation des Bewerbers zu überlassen.

Aus altruistischen Gesichtspunkten habe ich mich dann zu letzterem entschlossen. Geklappt hat es leider trotzdem nicht. Persönlich habe ich den Eindruck, dass der Bewerber ein wirklich ernsthaftes Problem mit der deutschen Sprache hat. Da die Toleranz, die ich habe walten lassen, vermutlich keine Usance ist, sollte man dem Bewerber eigentlich empfehlen, sich professionellen Rat zu holen.

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6 Kommentare:

Am/um Mittwoch, August 23, 2006 4:51:00 nachm. , Anonymous Karsten meinte...

Nur mal aus Interesse: Hast Du das zufällig mal in Word gepastet? Mangels Word habe ich das eben mit OpenOffice probiert und dessen zugegebenermaßen maue Rechtschreibprüfung hatte verblüffenderweise nichts zu beanstanden.

 
Am/um Mittwoch, August 23, 2006 6:07:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Nein, ich habe einfach "as is" direkt ins Blog abgetippt.

 
Am/um Mittwoch, August 23, 2006 9:07:00 nachm. , Anonymous Karsten meinte...

Ich meinte, ob das Ganze in Word vielleicht relativ sauber aussieht. Das wäre zwar keine besonders gute Entschuldigung, aber immerhin eine Erklärung für den Text.

 
Am/um Donnerstag, August 24, 2006 11:27:00 vorm. , Anonymous Bernhard meinte...

Wollte nur kurz anmerken das Word alles für richtig empfindet

 
Am/um Donnerstag, August 24, 2006 12:44:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Na Gott sei Dank - dann ist die Welt ja in Ordnung und Microsoft ist (wieder mal) schuld ;-)

 
Am/um Dienstag, August 29, 2006 1:54:00 nachm. , Blogger littleandy meinte...

Die Grammatikprüfung von Word allerdings hat rumgemeckert.

 

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