Montag, 9. Januar 2006

Der Ankackmontag

Die Woche fängt immer super an, wenn sich um 9.00 Uhr bereits ein halbes Dutzend Kollegen gegenseitig angemacht haben. Da weiß man schon gleich zu Beginn der Woche Bescheid, wenn man am besten nicht mehr anspricht bzw. wen man gegen wen aufwiegeln kann. OK, letzteres ist zwar nicht nett, doch bedauerlicherweise Realität.

Die Ankackgründe sind so vielfältig wie es Sprachen im alten Babylon gab. Frau Sirene beschwert sich über Frau Klimper-Schüttel, weil sich Frau Klimper-Schüttel öffentlich darüber beschwert, dass sich Frau Sirene bei ihr entschuldigt hat. Klingt bescheuert? Ist aber so. Die Vorgeschichte ist noch absurder: Seine Majestät König Autistiko II. versuchte am Freitag Frau Sirene anzurufen. Da diese jedoch ein Kundengespräch führte, konnte sie das Gespräch nicht entgegen nehmen. Darauf hin beschwerte sich seine Majestät König Autistiko II. bei Frau Klimper-Schüttel.

Dies ist für den Ausstehenden im ersten Moment nicht nachvollziehbar, aber bei uns ist der Kunde König und der König Kaiser. Gem. einer mündlichen Überlieferung aus dem Jahr 1539, schriftliche Handlungsanweisungen sind gänzlich unbekannt, hat der Mitarbeiter sofort jegliche Arbeit und Kommunikation einzustellen, wenn der König in der Nähe ist. Dann kann der Mitarbeiter, typischerweise wird noch ein weiteres halbes Dutzend Mitarbeiter dazu geladen, den prosaischen, mindestens eine Stunde dauernden Ausführungen seiner Majestät König Autistiko II. unbelastet lauschen. Substanziell kommt jedoch nichts rüber, da es sich in 99% aller Fälle um Monologe seiner Majestät handelt.

Frau Klimper-Schüttel zog sich, wie immer, den sprichwörtlichen Schuh natürlich sofort an und kackte bei Frau Sirene zurück. Frau Sirene war, was ich ihr hoch anrechne, in so fern diplomatisch, als dass sie sich bei Frau Klimper-Schüttel entschuldigt hat, dass sie sich um den Verkauf unserer Produkte gekümmert hat. Das war Frau Klimper-Schüttel jedoch egal – irgendwo muss man seinem Frust mal ablassen.

Daneben war Frau Gemüse der Ansicht eine zweite Kack-Front aufzumachen: Sie vertrat (wieder einmal) die Auffassung, dass man bei -7° Celsius Außentemperatur die Heizung noch nicht anstellen müsste. Und damit niemand auf die Idee kommt, das Büro illegal zu beheizen, hat sie alle in ihrem Einflußbereich befindlichen Heizkörper abgestellt. Prima – hat jemand eine Idee, wo man günstig einen Schneeanzug bekommen kann?

Das eigentlich Schlimme dran ist, dass die Kollegen schlicht nicht erkennen wollen, dass das genau das Kalkül von seiner Majestät König Autistiko II. ist: Die Mitarbeiter werden untereinander derart auseinander dividiert, dass es keinerlei kollegiale Zusammenarbeit mehr gibt und jeder einzelne somit die volle Angriffsfläche bietet.

Fazit: Anstatt sich auf das tägliche Business zu konzentrieren, wird eine Menge Energie in die Pflege obskurer zwischenmenschlicher Beziehungen investiert. Schade, was hätte man in dieser Zeit an echten Problemen lösen können.

PS: Kennen Sie die Definition von Problemen? Probleme sind Lösungen in Arbeitskleidung ;-)

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2 Kommentare:

Am/um Dienstag, Januar 10, 2006 12:24:00 nachm. , Blogger Alan Smithee meinte...

Das hört sich ja furchtbar an. Bei einer solchen Arbeitsatmosphäre kann der Job eigentlich keinen Spaß machen. Also hoffe ich, dass wenigstens die Bezahlung stimmt.
Oder wurde die innere Kündigung schon vollzogen?

 
Am/um Dienstag, Januar 17, 2006 9:15:00 nachm. , Blogger The Renitenz meinte...

Nein, Spass macht das wirklich nicht mehr. Auch wenn ich irgendwo der Ansicht bin, dass Spass nicht unbedingt der entscheidende Faktor ist, so bleibt leider festzuhalten, dass typischerweise am Ende des Tages nichts produktives herauskommt.

 

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