Mittwoch, 31. Oktober 2007

Der Fürsorger

oder: Wie man Arbeitsproduktivität zielsicher vernichtet

Ich kann mich ad hoc nicht entsinnen, über die "Ein-Stück-Anweisung" schon einmal berichtet zu haben. Das wundert mich zwar sehr, zumal diese Arbeitsanweisung seiner Majestät König Autistiko II. schon sehr alt ist und in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut wurde, aber egal.

Mit der so genannten "Ein-Stück-Anweisung" hat sich seine Majestät König Autistiko II. ein wahrhaftiges organisatorisches Denkmal gesetzt. Der Anweisung zufolge darf unter keinen Umständen Lagerhaltung in jedweder Form betrieben werden. Diese Anweisung bezieht sich wohlgemerkt jedoch nur auf die kaufmännischen Bereiche.

In diesem Sinne ist es zum Beispiel nicht gestattet, mehr als ein Paket Papier pro Etage zu lagern. Das holt man sich, wie schon mal erläutert, aus dem feucht-kalten Außenlager und sorgt so für permanente Papierstaus im Drucker und Kopierer, die wiederum auch ununterbrochen beseitigt werden müssen. Auch Toilettenpapier wird nur Rollenweise ausgegeben. Büroklammern und Tackerklammern werden penibel abgezählt. Zuwiderhandlungen werden mit dem verbalen Ausrasten seiner Majestät König Autistiko II. geahndet.

Es liegt an dieser Stelle irgendwie die Vermutung nahe, seine Majestät König Autistiko II. hat sich vom organisatorischen Geisterfahrer zu einer organisatorischen Massenvernichtungswaffe entwickelt. Vielleicht auch, weil man es als lästig empfinden, wenn man mehrmals täglich wegen irgendwelchem Mist quer durch das ganze Unternehmen laufen muss. Doch bei Licht betrachtet erweist seine Majestät König Autistiko II. jedem Mitarbeiter einen großen Gefallen. Er sorgt damit nämlich dafür, dass jeder Mitarbeiter garantiert seine tägliche Mindestmenge an Bewegung erhält. Dafür sollte sich eigentlich jeder Mitarbeiter bei unserem großen Fürsorger bedanken.

Tatsächlich muss man also Fürsorglichkeit gegen Arbeitsproduktivität abwägen. Wenn also Arbeitsproduktivität auf dem Niveau des kommunistischen Nordkorea akzeptabel ist und das Wohl des Fürsorgers im Vordergrund steht, dann ist die Welt in Ordnung. Beides kann man eben nicht haben :-)

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1 Kommentare:

Am/um Mittwoch, Oktober 31, 2007 10:29:00 nachm. , Anonymous Enina meinte...

Ich mag deinen Optimismus.
Überall gibt es Positives zu sehen!!!!

(Nicht ganz ernst nehmen, danke.)

 

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