Montag, 8. Januar 2007

Die Trickser

Das es im Reich seiner Majestät König Autistiko II. nicht immer ganz rund läuft, dürfte dem regelmäßigen Leser schon längst klar geworden sein. Meistens ist es seine Majestät König Autistiko II. selbst, der mit seinen merkwürdigen Vorstellungen den Geschäftsablauf derart lähmt, dass man sich durchaus mehrmals täglich fragt, wer hier nicht mehr ganz normal ist. Hin und wieder sorgen aber auch einige Kollegen mit ausgefallenen Ideen für die gefürchtete Verschlimmbesserung. Eines der jüngsten Highlights möchte ich, auch weil es wirklich einzigartig ist, an dieser Stelle einmal kurz beschreiben:

Mit Einführung unseres neuen ERP-Systems hat sich ein schon damals existentes Problem mit Lagerdifferenzen nochmals vergrößert. In erster Linie liegt das sicherlich am mangelnden Bewusstsein vieler Mitarbeiter. Seine Majestät König Autistiko II. ist mit seiner omnipräsenten Entscheidungsunfähigkeit allerdings auch nicht ganz unschuldig an dem Lagerdrama in drei Aufzügen ;-)

Na ja, was soll's - zurück zum Thema: Bei der Erfassung einer Lieferung an einen Kunden bemerkte eine Kollegin, dass da was mit dem Lagerbestand nicht stimmen würde. Eine echte Leistung, so wie sie es dargestellt hat, war das aber nicht: Das ERP-System hat schlicht die Annahme des Auftrags mit dem Hinweis auf einen fehlenden Lagerbestand verweigert.

Seltsam an der Geschichte war allerdings, dass die Waren schon längst geliefert waren. Das wiederum brachte mich zu der Frage, woher die gelieferten Waren den stammten, zumal in dem entsprechenden Lager, aus dem geliefert wurde, niemals ein Bestand von dem besagten Artikel vorhanden war. Spätestens an dieser Stelle dachte ich darüber nach, Toyota dafür zu hassen, dass sie sich den Slogan "Nichts ist unmöglich" reserviert haben ;-)

Nach mehrstündiger intensiver Auseinandersetzung mit dem Problem stellte sich heraus, dass sich der Mitarbeiter die besagte Ware direkt vom Hersteller hat liefern lassen. Selbstredend wurde die Lieferung nie als Lagerzugang gebucht. Prima Jungs, das habt ihr ganz fein gemacht! Ab besten wir schaffen die blöde Lagerbuchhaltung einfach ab. Das spart uns die lästige Materialverwaltung und außerdem eine Menge Zeit. Verdammt, warum bin ich da nicht gleich drauf gekommen ;-)

Die Frage nach dem Warum habe ich mir dann mal gespart. Eine nachvollziehbare Antwort ist nicht zu erwarten. So insgesamt hatte ich nämlich schon den Eindruck, dass der Kollege seine Aktion für ziemlich clever hielt. OK, lassen wir ihn in diesem Glauben, damit wenigstens einer glücklich ist.

Und wenn man dann in einem Meeting mit seiner Majestät König Autistiko II. über derartige Vorkommnisse spricht und nach Lösungen sucht, dann wird einem erklärt, man hätte das Ganze nicht verstanden. Stimmt, offenbar ist die Erhaltung des Chaos das eigentliche Kernstück der von seiner Majestät König Autistiko II. praktizierten Managementmethode.

An dieser Stelle fällt mir ein schönes Zitat des römischen Anwalts Marcus Tullius Cicero ein: "Jeder Mensch kann irren; doch im Irrtum verharren kann nur ein Narr".


PS: Ich mag Lucius Annaeus Seneca immer noch, aber in diesem Fall habe ich nichts passendes von ihm gefunden ;-)

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1 Kommentare:

Am/um Dienstag, Januar 09, 2007 2:42:00 nachm. , Anonymous Einberlinerter meinte...

Das nennt man "Streckengeschäft" und lässt sich eigentlich mit gängigen $ERP Systemen abbilden.

 

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