Mittwoch, 1. November 2006

Es lebe der Kundenservice

oder: It's not my Job - und meiner auch nicht!

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie Dienstleister für sich das Wort Kundenservice interpretieren. Als Privatmann hat man sich mittlerweile schon daran gewöhnt, selbst bei Karstadt nur noch Warenaufpasser anzutreffen, aber einigermaßen schockiert bin ich dann jedoch, wenn selbst Finanzdienstleister gegenüber Firmenkunden eine ähnlich geartete Mentalität an den Tag legen.

Aus Kollegialität habe ich die Post für eine unserer Hausbanken gestern Abend mitgenommen, da die Bank quasi auf meinem Weg liegt und die Unterlagen einigermaßen eilig waren.



Ich gehe also auf das Bankgebäude zu und will den Briefkasten suchen. Zu meiner Überraschung stelle ich jedoch fest, dass die Bank noch geöffnet ist. In Anbetracht der Tatsache, dass ich einen Briefkasten ohnehin nicht ausmachen konnte, gehe ich also schnurstracks zum Info-Counter und übergebe den Umschlag.

Ich hatte mich schon auf den Hacken gedreht, als mir in einem relativ rüden Ton entgegenschallt, dass ich den Umschlag gefälligst in den Briefkasten einwerfen möchte. Nun ja, dachte ich mir, wollen wir trotzdem mal höflich bleiben.

Ich teilte der leicht genervt wirkenden Dame mit, dass ich schon beim Betreten des Gebäudes einen Briefkasten gesucht, jedoch nicht gefunden hätte. Und außerdem sollte es ihr sicherlich nicht sonderlich viel Mühe bereiten, den Umschlag gegebenenfalls selbst einmal weiterzuleiten. Ich bedanke mich noch artig im voraus für ihre Mühe und wollte gehen. Schade, das letzte Wort behielt sich die Damen am Info-Counter der Spaßkassen vor: Der Briefkasten sei an der Außenseite des Gebäudes und ich solle den Umschlag selbst einwerfen. Es sei schließlich nicht ihre Aufgabe, Bankunterlagen anzunehmen. Das provozierte quasi die Frage, was denn dann ihre Aufgabe wäre. Das wollte sie mir leider nicht beantworten. Sehr schade – das hätte noch eine lustige Unterhaltung gegeben ;-)

OK dachte ich mir, kein Problem, was soll ich mich streiten. Ich verlasse also das Gebäude und suche den Briefkasten. Da ich nach weiteren fünf Minuten immer noch kein Briefkasten gefunden hatte, bin ich also wieder zurück zu meiner "Freundin" vom Info-Counter und verlange den 2nd-Level-Support in Form ihres Vorgesetzten. Nach einigem Gezicke entsprach sie meinem Wunsch.

Mittlerweile versuche ich seit einer Viertelstunde einen Briefumschlag abzugeben und erläutere nunmehr zum zweiten Mal mein vermeintlich simples Anliegen dem Vorgesetzten der Dame vom Info-Counter.

Als dieser damit begann mir zu erläutern, wo der Briefkasten nun genau sei, brach ich das Gespräch ab und drückte ihm, nachdem ich mir seinen Namen gemerkt hatte, den Umschlag mit den Worten in die Hand, ob er nicht auch der Meinung ist, dass ein wenig Kundenservice in Verbindung mit sportlicher Betätigung nicht zu viel verlangt wäre.

Fazit: Das Abgeben des Umschlages bei der Bank hat 25! Minuten gedauert. Der Standort des Briefkastens ist mir immer noch unbekannt. Und weil man offenbar sehr viel Zeit und noch mehr Kunden hat, darf man auch die Zeit des Kunden mit Belehrungsversuchen verschwenden. Sorry liebe Bank, es ist mir aber wirklich scheißegal, wer für was zuständig ist. Dafür weiß ich jetzt aber wieder, warum es Spaßkasse heißt ;-)


PS: Das Gewinnspiel nicht vergessen :-)

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1 Kommentare:

Am/um Sonntag, November 05, 2006 5:35:00 nachm. , Blogger Christian meinte...

Das ist für diese öffentlich-rechtlichen Kreditinstitute leider typisch. Inzwischen hat sich auch die EU-Kommission diesem Unding angenommen, so daß Abhilfe zu erwarten ist. Mich wundert allerdings, daß sich die Kundschaft das gefallen läßt.

 

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